„Zukunft ist nichts Vorgegebenes, sondern gestaltbar“, betont Juliane Jarke, Professorin für Digitale Gesellschaft an der Universität Graz. Inwieweit können wir selbst die Welt von morgen entwickeln, wenn doch Technologien verheißungsvolle Chancen versprechen. „Es stellt sich oft gar nicht mehr die Frage, ob wir KI überhaupt in unserer Gesellschaft und in unserem Leben haben wollen“, diagnostiziert die Soziologin und Informatikerin ein „dominantes Narrativ“, das von den großen Tech-Konzernen und wirtschaftlichen Interessen geprägt ist.
Werte und Normen
Natürlich bestimme der technische Fortschritt ganz wesentlich die gesellschaftliche Entwicklung. „Doch wie wollen wir zusammenleben und unsere Zukunft gestalten?“, sind für Jarke zentrale Fragen. „Welche Werte, welche Normen und welche Institutionen möchten wir haben?“
Antworten darauf und kritische Perspektiven will das GraSP Futures Studio eröffnen, das Jarke leitet. Ihr Ziel: „Die Einrichtung soll einen gedanklichen Freiraum bieten, in dem reflektiert werden kann und neue Ideen entstehen.“ Diesem Ansatz trägt auch die Gestaltung des Raumes Rechnung. Er verfügt über flexible Möbel und lässt sich mit wenigen Handgriffen in einen Lehrsaal, einen Ort für Workshops oder größere Veranstaltungen umfunktionieren. Das Studio ist barrierefrei erreichbar und mit Hilfsmitteln für Menschen mit Hör- und Sehbehinderung ausgestattet. „Das verdeutlicht Teilhabe, Zugänglichkeit und gemeinsames Gestalten“, bekräftigt die Wissenschaftlerin. Digitale Technologien und KI schaffen nicht nur neue Möglichkeiten, sondern können auch bestehende soziale Ungleichheiten verstärken. Daher ist es das Ziel, unterschiedliche Akteur:innen aus der Gesellschaft in die Forschungen einzubinden.
Ein Ding aus der Zukunft
Erste Workshops haben schon stattgefunden. Darunter einer – im Rahmen der aktuellen Uni-Graz-Wanderausstellung „Die Demokratie hat‘s nicht leicht“ – mit Schüler:innen der Medienhak Graz. Die Aufgabe für die Jugendlichen lautete: Entwickelt ein Ding aus der Zukunft! „Besonders das gemeinsame Reflektieren über die Rolle ihrer entworfenen Dinge und Technologien für Gemeinschaft und Zusammenhalt war interessant. Es erlaubt eine kritische, aber auch konstruktive Auseinandersetzung mit digitalen Technologien“, resümiert Jarke.
In einem vom FWF geförderten Projekt zu kommunikativer KI und gesundem Altern hat sich gezeigt, dass Chatbots oder KI-Alltagsbegleiter, die eigentlich Unterstützung schaffen sollen, eher ambivalent gesehen werden. „Davon ausgehend befassen wir uns mit der Frage, ob man technische Hilfsgeräte als Unterstützung begreift oder diese die Verletzlichkeit im Alter erst sichtbar machen“, fasst Juliane Jarke zusammen.