Stammzellen sind die Grundbausteine des Lebens und für viele Erkrankungen können sie der Schlüssel zu einer erfolgreichen Heilung sein. Sie haben Superkräfte, denn sie sind in der Lage, sich unendlich oft zu teilen und neue Zellen zu bilden. Knackpunkt ist aber, dass nahe oder entfernte Verwandte nicht immer der genetische Zwilling sein müssen. Deshalb helfen großangelegte Typisierungsaktionen, wie am 6. Mai 2026 an der Uni Graz, die Daten zu erfassen und sie in ein weltweit verfügbares Netzwerk zu spielen. Was genau dahintersteckt, erklärt Marion Mußbacher vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften.
Warum sind Stammzellen solche wertvollen Allrounder?
Stammzellen können sich selbst erneuern und sich in verschiedenste Zelltypen, etwa in Blutzellen und Muskelzellen, umwandeln. Stammzellen sind wie unbeschriebene Papierblätter, aus denen noch viele verschiedene Produkte (Zeitung, Roman, Flyer) hergestellt werden können. Sie sind wichtig, um geschädigte Organe zu heilen und neue Zellen zu bilden. Beispiel: Die Blutstammzellen eines gesunden Menschen produzieren pro Minute mehrere Millionen Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen) und das unser ganzes Leben lang.
Was machen sie im Körper? Warum brauchen wir sie, um bestimmte Erkrankungen bekämpfen zu können?
Viele Zellen in unserem Körper haben nur eine kurze Lebensdauer und müssen daher häufig erneuert werden. Hierzu zählen Blutzellen, Hautzellen sowie Zellen unserer Darmschleimhaut, welche von unterschiedlichen Stammzellen gebildet werden. Im Prinzip wurde unser Körper während der Embryonalentwicklung aus Stammzellen aufgebaut. Stammzellenspenden werden vor allem bei schweren Erkrankungen des blutbildenden Systems bzw. des Knochenmarks wie Blutkrebs (Leukämie) oder Lymphomen eingesetzt. Hierbei vermehren sich entartete Blutzellen (Krebszellen) überaus stark und verdrängen so im Knochenmark gesunde Blutzellen, die wir für den Sauerstofftransport (rote Blutkörperchen/Erythrozyten), die Immunabwehr (weiße Blutkörperchen/Leukozyten), und Blutgerinnung (Blutplättchen/Thrombozyten) benötigen.
Und warum passen meine Stammzellen nicht zu einer entfernten Verwandten von mir, aber vielleicht zu einem Menschen in den USA, mit dem ich sicher nicht verwandt bin?
Ob ein/e Spender:in infrage kommt oder nicht, hängt von der Übereinstimmung bestimmter Oberflächenmerkmale (HLA-Matching) ab. Diese Oberflächenmerkmale werden zwar von den Eltern vererbt, aber die Kombination ist rein zufällig. Sogar bei Geschwistern liegt die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Übereinstimmung nur bei rund 25 Prozent. Je geringer der Verwandtschaftsgrad ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Übereinstimmung und desto mehr entscheidet der Zufall über einen Match.
Wie funktioniert der Mensch und wie kann man seinen Code entschlüsseln? Was hilft bei der Heilung von Krankheiten? Und wie sehen die Medikamente der Zukunft aus? Diese und viele andere Fragen beantworten naturwissenschaftliche Studien an der Uni Graz im Interessensschwerpunkt “Gesundheit und Fitness”. Jetzt bewerben!