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Universität Graz Neuigkeiten Wie gewinnt man den Songcontest?

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Montag, 04.05.2026

Wie gewinnt man den Songcontest?

Ein junger Mann steht mit einer Trophäe in der Hand auf einer Bühne. Hinter seinem Kopf leuchtet der Titel "Eurovision" auf einer LED-Leinwand. ©© Corinne Cumming
© Corinne Cumming

Der Künstler JJ gewann 2025 mit dem Titel "Wasted Love" den Eurovision Song Contest für Österreich. Foto: Corinne Cumming/EBU

Gibt es eine Formel, die den Sieg des Eurovision Songcontest (ESC) garantiert? Und wer entscheidet, wann ein Song zu politisch ist? Die Musikwissenschaftlerin und ESC-Expertin Saskia Jaszoltowski gibt Einblicke in das Großevent.

Man weiß, dass zu einer guten Performance mehr als nur die Musik gehört. Erkennen Sie trotzdem eine Art Erfolgsrezept für die Komposition oder gewisse Muster der Gewinner:innen-Lieder in den letzten Jahren?

Saskia Jaszoltowski: Sicher, das grundlegende musikalische Muster ist die Songstruktur: drei Minuten, Intro, Strophe, Refrain, etc. Stilistisch aber bietet der ESC eine große Bandbreite. Über die Jahre hinweg hat es alle möglichen populären Spielarten gegeben. 

Auch visuell gibt es wiederkehrende Muster. Man könnte schon von ESC-Traditionen sprechen, wie zum Beispiel das Verwandlungskleid. Auch hier zeigt ein Blick in die Geschichte, dass die Bühnenshows vor allem an die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit gebunden sind.

Die "großen Gefühle" stehen in der Musik im Vordergrund, wie etwa bei Pop-Balladen, aber entscheidend ist das audiovisuelle Gesamtkonzept der Aufführungen.

Die politische Debatte lässt sich vor allem in den letzten Jahren nicht vom ESC trennen. Die Lieder selbst dürfen laut den offiziellen Regeln keine politischen Botschaften enthalten. Die Performances geben aber trotzdem viel Raum, um auf subtile Art und Weise Statements zu setzen. Inwiefern wurden in Vergangenheit die Musik, Texte und Live-Performances genutzt, um das Reglement subtil zu umgehen?

Jaszoltowski: Der ESC war immer schon politisch und ein Spiegel der sozialpolitischen Lage in Europa und darüber hinaus. Die European Broadcasting Union als austragendes Organ kann nur auf Basis ihrer Staturen, wie die Presse- und Meinungsfreiheit, Regierungsunabhängige Berichterstattung, Bildungsauftrag und kulturelle Diversität regulieren. Damit entscheiden sie, welche Rundfunkanstalten Mitglied werden können und konsequenterweise beim ESC mitmachen können. Die Reference Group des ESC hingegen legt fest, inwiefern Texte oder Performances politische Botschaften haben könnten. In der Vergangenheit wurden hier vor allem die Texte zurückgewiesen. Die Musik, also die instrumentale Komposition, bleibt hiervon natürlich unberührt. 

Generell ist das eine Interpretationssache, wo Politik anfängt und wo sie aufhört. War nicht auch Nicoles "Ein bisschen Frieden" ein politisches Lied, während der Kalte Krieg zu eskalieren drohte? Oder Toto Cutugnos "Insieme - Unite, Unite Europe" nachdem die Berliner Mauer fiel?

Haben Sie bereits die Lieder gehört, die von den teilnehmenden Ländern ins Rennen geschickt werden?

Jaszoltowski: Ich bin zurzeit in den Niederlanden im Rahmen einer Gastprofessur an der Leiden Universität. Da der niederländische Broadcaster in diesem Jahr bekanntermaßen nicht mitmacht, habe ich hier recht wenig davon mitbekommen. Außerdem bevorzuge ich tatsächlich die Songs erst bei der TV-Live-Show zu hören. Ich lass mich gerne überraschen.

Erstellt von Michael Angele

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