Der Campus der Universität Graz ist ein einzigartiger Lebensraum, Arbeitsplatz und Begegnungsort für Studierende, Forschende sowie die Gesellschaft. Neben vielen parkähnlichen Grünzonen ergänzen sich historische und moderne Gebäude.
Eines der markantesten und größten Gebäude am Campus der Uni Graz ist das RESOWI-Zentrum, das heuer seinen 30. Geburtstag feiert. Es wurde von den Star-Architekten Günther Domenig und Hermann Eisenköck entworfen und erstreckt sich über 300 Meter entlang des Uni-Geländes.
Genauso imposant sind auch jene vier Arte-Povera-Installationen des griechischen Künstlers Jannis Kounellis, der in den 1990er-Jahren die Universität als „Ort des konservierten Wissens“ interpretierte. Die verwendeten Materialien darunter Stahl, Jutesäcke, Naturfaserseile, rohe Holzbalken und Steinkohle stehen für Evolution, Dialektik und die Kulturgeschichte der Menschheit. Es dürfte sich um Kounellis‘ einzige Arbeiten handeln, die im öffentlichen Raum zu sehen sind.
Nach drei Jahrzehnten war es nun an der Zeit, die teils meterhohen Kunstwerke zu reinigen und zu restaurieren. Die Aufgabe übernahmen die Restaurator:innen Lea Huck und Christoph Melichar im Auftrag von BIG ART, der Kunstinitiative der Bundesimmobiliengesellschaft.
BIG Geschäftsführerin Christine Dornaus: „Jannis Kounellis hat seinerzeit eine große, mehrteilige Installation eigens für das RESOWI-Zentrum der Uni Graz geschaffen. Seine Arbeiten sind keine bloße Dekoration, sondern oft raumgreifende, ortsspezifische Interventionen, die Architektur mittels einer komplexen Bildsprache bereichern. Die Arte-Povera-Installation gehört zum Bestand unserer Kunstinitiative BIG ART und wir freuen uns, dass sie jetzt wieder in ihrem Originalzustand zu sehen ist.“
Rektor Peter Riedler: „Die Universität Graz stellt sich gesellschaftlichen Herausforderungen. Kreativität trägt zur Lösung von Fragestellungen entscheidend bei. Auch die zahlreichen Kunstwerke am Campus der Uni Graz sind Ausdruck des kreativen Schaffens. Sie symbolisieren wie nahe Kunst und Wissenschaft beisammen liegen.“
Authentischer Eindruck der Werke
Nach einer Bestands- und Zustandsaufnahme sowie der Reinigung wurde die Durchführung von statischen Maßnahmen am Holzbalken restauratorisch begleitet, sekundär angebrachte Stützkonsolen konnten dadurch wieder abgenommen werden. „Der Holzbalken ist nun wieder in seiner intendierten Erscheinung zu sehen. Bei dem überdehnten Seil wurde ein Schwingschutz versetzt und der unterste Seilknoten mit speziellen Vernähungen gesichert, damit er sich nicht löst“, berichtet Lea Huck, freiberufliche Restauratorin und Lehrende am Institut für Konservierung-Restaurierung an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Die Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit dem Seiler Nikolaus Eisserer und der Schlosserfirma Stahlbau Lex.
„Konservierung-Restaurierung soll Schäden identifizieren und reduzieren sowie einen authentischen Eindruck der Werke vermitteln“, schildert die Expertin. Sie zeigt sich auch von der Bedeutung von Kounellis‘ Schaffens beeindruckt: „Der monumentale Eindruck der Werke ist sehr präsent. Sie integrieren sich gut in das architektonische Gefüge und verdienen mehr Beachtung.“
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Kunst studieren
Mit bildenden Künsten aller Epochen beschäftigen sich auch Studierende des Bachelor- und Masterstudiums Kunstgeschichte an der Uni Graz. Es zeichnet sich vor allem durch seine Schwerpunktsetzung auf Moderne und Gegenwartskunst aus