Die Korona der Sonne ist vergleichbar mit der Atmosphäre der Erde. Das Besondere: Die äußerste Schicht ist nicht nur extrem heiß, sondern – überstrahlt vom starken Licht der Sonne – schwer sichtbar. „Die vollständige Bedeckung macht einen hellen Ring mit Strahlen deutlich. Ähnlich wie bei den einfachen Zeichnungen einer Sonne“, erklärt Manuela Temmer.
Zudem entstehen in der Korona gewaltige Massenauswürfe, bei denen große Plasma-Mengen ins All geschleudert werden. Diese können das Magnetfeld der Erde beeinflussen und Satelliten, Flugverkehr und Handyempfang stören.
„Obwohl die Technologie weit fortgeschritten ist, kein Gerät kann derzeit vor allem die Feinstrukturen der Korona besser erkennbar machen als eine totale Sonnenfinsternis“, betont Temmer. Der Haken: Der Zeitraum für die Beobachtung ist oft nur sehr kurz, wodurch die Dynamik der Korona schwer beobachtbar ist.
Doktoratsstudierende in Spanien
Heuer sollte die totale Sonnenfinsternis in Spanien gut erlebbar sein. Auch einige Physik-Studierende der Uni Graz sind eigens auf die iberische Halbinsel gereist. Darunter Amaia Razquin Lizarraga. Die Physik-Doktorandin beschäftigt sich unter der Betreuung von Astrophysikerin Astrid Veronig mit Sonneneruptionen und koronalen Verdunkelungen. Sie ist nach Arguedas, eine Kleinstadt in der nordspanischen Region Navarra, gereist. Dort trifft Razquin Lizarraga nicht nur ihre Familie, sondern beteiligt sich ebenso wie aller Voraussicht nach Uni-Graz-Kollege Thierry Fox an einem Event zur Sonnenfinsternis. „Wir werden unsere Aktivitäten im Rahmen einer, von der Regierung von Navarra organisierten Veranstaltung durchführen und arbeiten mit anderen Nachwuchswissenschaftler:innen der European Geosciences Union und der Lunar Explorers Society zusammen. Es werden bis zu 2000 Besucher:innen erwartet“, schildert Amaia Razquin Lizarraga.
Beobachtung am Schloßberg
Auch wenn die Sonnenforschung ihre wissenschaftliche Arbeit bestimmt, eine Sonnenfinsternis fasziniert selbst renommierte Forscherinnen der Uni Graz. Manuela Temmer und Astrid Veronig werden das Phänomen am Abend des 12. August vom Grazer Schloßberg aus mitverfolgen.
Die Astrophysikerinnen stehen dort gemeinsam mit weiteren Fach-Kolleg:innen für Fragen der Bevölkerung zur Verfügung. Das Institut für Physik der Uni Graz hat zudem fünf Teleskope und spezielle Sichtbrillen vorbereitet, durch die Interessierte einen Blick auf die verdunkelte Sonne werfen können.
Zwischen 19:30 und 20:15 Uhr sollte in Graz – sofern die Witterung mitspielt – der Mond die Sonne bis zu 85 Prozent verdecken.
Die Beobachtung findet nur bei sonnigem oder leicht bewölktem Himmel statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.