Universitäten leisten weit mehr als die Ausbildung künftiger Absolvent:innen. Sie entwickeln neue Erkenntnisse, fördern Innovationen und schaffen Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen – vom Klimawandel über Digitalisierung bis hin zu Gesundheit und Demokratie. Damit sie diesen Auftrag erfüllen können, brauchen sie Planungssicherheit und eine ausreichende Finanzierung. Nur durch nachhaltige Investitionen in die Universitäten kann der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Österreich gesichert werden.
Die geplanten Budgetkürzungen der Bundesregierung hätten dramatische Auswirkungen:
- Weniger Studienangebote und Lehrveranstaltungen: Das Lehrangebot wird eingeschränkt, wodurch sich Studierende schwerer für Lehrveranstaltungen anmelden können oder sich Studienbedingungen insbesondere für finanziell benachteiligte Personen verschlechtern. So hat bereits die Johannes Kepler Universität Linz aufgrund des Spardrucks das Bachelorstudium im Bereich Quantenwissenschaften abgesagt.
- Einschränkungen in der Forschung: Forschungsprojekte können verzögert, reduziert oder gar nicht erst begonnen werden. Damit gehen wichtige Erkenntnisse und Innovationspotenziale verloren.
- Weniger Personal: Frei werdende Stellen können nicht nachbesetzt werden, Arbeitsbelastung und Betreuungsaufwand steigen für das bestehende Personal.
- Weniger Investitionen: Notwendige Investitionen in Labore, Bibliotheken, digitale Infrastruktur oder moderne Lehr- und Lernräume müssen verschoben werden.
- Schwächere internationale Wettbewerbsfähigkeit: Österreichische Universitäten stehen im Wettbewerb um die besten Forschenden, Lehrenden und Studierenden. Unsichere finanzielle Rahmenbedingungen erschweren es, Talente zu gewinnen und langfristig zu halten.
Uni-Graz Rektor Peter Riedler
„Uns ist bewusst, dass wir in budgetär herausfordernden Zeiten leben. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Universitäten sparen können. Das können und werden sie. Entscheidend ist, dass der Sparkurs nicht jene Strukturen beschädigt, die mit viel Anstrengung aufgebaut wurden und die wir Menschen für die Zukunft brauchen. Denn neben der klassischen Berufsausbildung und exzellenter Forschung verbindet eine Allgemeinuniversität unterschiedliche Disziplinen.“
Warum sich Investitionen in Universitäten lohnen
Kurzfristige Kürzung mit langfristigem Schaden
Die drohende Budgetkürzung für die Universitäten richtet langfristig einen verheerenden Schaden für Österreichs Wirtschaft an. Die daraus resultierenden Kürzungen beim Personal bedeutet ein schlechteres Betreuungsverhältnis mit Folgen für die Absolvierenden-Zahlen. Wenn deshalb nur 5 Prozent weniger Personen ihr Studium erfolgreich abschließen, sinkt das BIP langfristig um rund 3,2 Milliarden Euro pro Jahr, wie das Forschungsinstitut Eco Austria errechnet.
Auswirkungen der Budgetkürzung auf die Uni Graz
Wenn die Pläne der Regierung verwirklicht werden, gibt es für die Universität Graz nicht nur auf keinen Ausgleich der Inflation, zusätzlich müssten Kosten übernommen werden, die bisher aus anderen Quellen finanziert werden. Das würde für die Jahre 2028 bis 2030 eine Finanzierungslücke von 158 Millionen Euro bedeuten. Da der Hauptteil des Budgets der Universität Graz in Lohnkosten fließt, ist das nur mit einer Reduktion des Personals zu realisieren.
Gemeinsame Strategie: 22 öffentliche Universitäten kooperieren
Die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) hat Anfang September 2026 eine gemeinsame Postionierung der 22 öffentlichen österreichischen Universitäten unter dem Titel "Strukturreform im Hochschulsystem – Neue Wege und Perspektiven" (PDF, 16 Seiten) veröffentlicht.
Diese 22 öffentlichen Universitäten betreuen 80% aller Studierenden in Österreich. Die Universität Wien deckt davon den mit Abstand höchsten Anteil ab – und das bei nur 15% des gesamten Universitätsbudgets.
Zentrale Vorschläge zur Strukturreform:
- Integration der gesamten Pädagog:innenbildung in die Universitäten. Eine qualitätsvolle Lehrer:innenausbildung kann nur in enger Kooperation der verschiedenen Hochschultypen erfolgen. Dies entspricht auch maßgeblichen internationalen Entwicklungen. Schools of Education an den Universitäten wären der geeignete organisatorische Rahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Im Rahmen universitärer Autonomie können diese so ausgestaltet werden, dass sie allen Qualitätsanforderungen professioneller Pädagog:innenausbildung gerecht werden.
- Integration der IT:U in die JKU. Die IT:U: könnte als Teil der JKU für ihre Themen der Digitalisierungsforschung deutlich mehr Strahlkraft erreichen, weil sie wesentliche Ressourcen nicht in den institutionellen Aufbau, sondern direkt in die Qualität von Personal, Lehre und Forschung investieren könnte. Auch hier können innovative Organisationsformen im Rahmen der universitären Autonomie zur Verschränkung genützt werden.
- Integration der von den Ländern finanzierten Privatuniversitäten in die Hochschulplanung. Die Privatuniversitäten werden in Österreich oftmals von öffentlichen Geldern finanziert und sollten daher auch in die öffentliche Hochschulplanung integriert werden, damit es eine kohärente Entwicklung des Gesamtsektors gibt.
- Stärkere Verschränkung forschungsstarker außeruniversitärer Einrichtungen mit den Universitäten. In Deutschland hat sich das Kooperationsgebot, also die gezielte strukturelle und finanzielle Verzahnung von Hochschulen mit Einrichtungen wie der Max-Planck Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und der Helmholtz Gemeinschaft beispielsweise durch gemeinsame Berufungen oder Infrastrukturen zwischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den Universitäten sehr bewährt, um die internationale Sichtbarkeit der Forschung zu stärken. Eine solche verstärkte Kooperation würde sich auch für Österreich empfehlen.
Wissenschaft braucht Zukunft
Hier finden Sie alle Neuigkeiten, Stellungnahmen und Informationen rund um die Initiative “Unis retten”.
- Universitätsreform-Verhandlungen laufen wieder
06.09.2026, on.orf.at - Uniko: Unis zuversichtlich zu Budgeteinigung
03.09.2026, science.orf.at - Steirische Unis sorgen sich um Finanzierung ab 2028
science.apa.at, 31.08.2026 - Steiermark warnt vor Uni-Sparkus mti Folgen für den Standort
31.08.2026, meinbezirk.at - Steirische Unis sorgen sich um Finanzierung ab 2028
news.at, 31.08.2026 - Runder Tisch an Uni Graz: Heftige Kritik an geplanten Milliarden-Einsparungen
31.08.2026, grazer.at - Was Sparkus an Unis für Standort Steiermark heißt
31.08.2026, krone.at - Runder Tisch zur Finanzsituation der Unis
31.08.2026, steiermark.orf.at - Steirische Unis vor Millardenloch
31.08.2026, Steiermark heute - Unis warnen vor einem Kahlschlag
21.05.2026, Kleine Zeitung, Seite 2 - „Kahlschlag“ an den Unis gefährdet 1000 Stellen
21.05.2026, Kronen Zeitung, Seite 16 - Steirische Unis wegen Kürzungen alarmiert
20.05.2026, orf.at - Zukunft der Wissensregion Steiermark in Gefahr
20.05.2026, science.apa.at - Sparpläne des Bundes 500 Millionen Euro gestrichen – steirische Unis schlagen Alarm
20.05.2026, meinbezirk.at - „Hiobsbotschaft für Graz“: Elke Kahr warnt vor Folgen der Uni-Kürzungen
21.05.2026, 5min.at - Graz: 500 Millionen Euro sollen bei Unis in der Steiermark gestrichen werden
20.05.2026, grazer.at