Im Mittelpunkt der Arbeit steht ein Lipidmolekül mit der Abkürzung BMP. Es kommt vor allem in den „Zellmägen“, den Lysosomen, vor. „Diese zerlegen Teile der Zelle, die nicht mehr gebraucht werden. Das entstehende Material wird anschließend exportiert und wiederverwertet. BMP ist unter anderem für den Abbau und die Verarbeitung von fettähnlichen Stoffen wichtig“, erklärt Robert Zimmermann von der Universität Graz. Er fasst das Ergebnis der Studie so zusammen: „Mutationen im CLN8-Gen können dazu führen, dass kein BMP mehr hergestellt wird. Als Folge entsteht eine lysosomale Speicherkrankheit, die als Batten-Krankheit oder neuronale Ceroid-Lipofuszinose bezeichnet wird. Wie eng der CLN8-Gendefekt mit einer gestörten BMP-Synthese in den Zellen zusammenhängt, war bislang nicht bekannt.“
Durch das fehlende BMP sammelt sich immer mehr zellulärer Müll im Körper an. Die Krankheit schreitet langsam voran, weshalb sie nicht bei der Geburt, sondern meist erst ab dem Kleinkindalter augenscheinlich ist und diagnostiziert wird. Besonders empfindlich reagieren Nervenzellen im Gehirn. Deshalb treten die neurologischen Symptome oft als Erstes auf. Für die Batten-Krankheit gibt es keine Heilung. Die Erkenntnisse eröffnen aber Wege für neue Therapieansätze: „Interessant wäre zu untersuchen, ob eine Supplementation von BMP den Mangel, der durch den Gendefekt verursacht wird, ausgleichen könnte“, schildert Zimmermann einen möglichen Zugang, der in weiteren Forschungen getestet werden müsste.
Forschende aus Cambridge stützen das Ergebnis
Die Publikation entstand im Rahmen des vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Spezialforschungsbereich „Lipid Hydrolysis“ und BioTechMed-Graz, dem Forschungsverbund von Universität Graz, Medizinischer Universität Graz und Technischer Universität Graz. Beteiligt waren neben der Arbeitsgruppe rund um Robert Zimmermann und Erstautor Johannes Breithofer (beide Uni Graz) die Teams von Rolf Breinbauer (TU Graz) und Dagmar Kratky (Med Uni Graz). Die Forschenden arbeiteten auch eng mit Wissenschaftler:innen der University of Cambridge zusammen. Die Kolleg:innen aus England, allen voran Kasparas Petkevicius, bestätigten das Ergebnis in einer eigenständigen Publikation.
Publikation:
Breithofer J, Fawzy N, Zitta C, Tischitz M, Bulfon D, Hofmann C, Hartig L, Wagner C, Grabner GF, Pirchheim A, Lass A, Taschler U, Turner K, Petkevicius K, Stelzl U, Kratky D, Breinbauer R, Zimmermann R. Batten disease protein CLN8 enables a non-canonical phospholipid synthesis pathway. Nat Cell Biol. 2026 Sep 15. doi: 10.1038/s41556-026-02059-8. Epub ahead of print. PMID: 42744859.