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Universität Graz Neuigkeiten Vieles erreicht

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Donnerstag, 13.06.2019

Vieles erreicht

Vizerektorin Renate Dworczak. Foto: Uni Graz/Kanizaj ©KANIZAJ Marija-M. | 2016

Vizerektorin Renate Dworczak. Foto: Uni Graz/Kanizaj

Gleichstellungsarbeit an dieser Universität ist eng mit Vizerektorin Renate Dworczak verbunden. In einem Interview erinnert sie sich an die Meilensteine

Die Universität Graz feierte 25 Jahre Gleichstellung mit einem eigenen Tag. Zwölf Jahre davon hat die Chemikerin Renate Dworczak als Vizerektorin maßgeblich mitgestaltet. In einem Gespräch erinnert Sie sich an die Meilensteine.

Wir schreiben das Jahr 2019. Was hat sich zum Thema Gleichstellung im letzten Vierteljahrhundert an unserer Universität getan?
Renate Dworczak: Es hat sich einiges verändert: Als Allgemein-Universität sind wir nicht nur Forschungsstätte, sondern tragen auch gesellschaftliche Verantwortung und werden von außen auch in dieser Verantwortung wahrgenommen, haben Vorbildfunktion. Ein wichtiger Punkt, den wir in den letzten zehn Jahren umgesetzt haben, ist sicherlich die Einbindung der Gleichstellung als eigenständiges Modul in unsere UNISTART-Programme. Das heißt, alle neu an die Universität kommenden MitarbeiterInnen werden hinsichtlich der Bedeutung von Gleichstellung für uns als Forschungseinrichtung und als Unternehmen sensibilisiert. Dazu kommt ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm für Führungskräfte und alle anderen Beschäftigungsgruppen.

Ist Gleichstellung im Betrieb noch keine Grundvoraussetzung?
Dworczak: Leider weder innerhalb noch außerhalb der Universität. Aufgrund unserer Erfahrungen sind wir – und das auch in der Wissenschaft – in einer männerdominierten Welt sozialisiert, deshalb fallen uns gewisse Dinge gar nicht auf. Unser Alltag ist so strukturiert, dass wir viele diskriminierende Situationen auf den ersten Blick nicht wahrnehmen. Dafür möchten wir sensibilisieren und quer über die gesamte Universität Bewusstsein schaffen. Regelmäßig zeigen statistische Daten, dass im EU-Schnitt Frauen bis zu ein Viertel weniger verdienen als Männer mit gleicher oder gleichwertiger Qualifikation. Wir arbeiten an Maßnahmen, diese Differenzen zumindest innerhalb der Universität, auszugleichen. Außerdem wird der wissenschaftliche Betrieb als häufig als familienfeindlich interpretiert, was Gleichstellungsmaßnahmen und Nachteilsausgleich erschwert, aber umso notwendiger macht.

Dabei sind Universitäten als besonders tolerante Arbeitsgeberinnen bekannt. Oder nicht?
Dworczak: Das mag schon sein. Wir tun diesbezüglich viel und haben auch bisher viel getan. Ich meine aber etwas anderes. In unserem Work-Life-Balance-Projekt haben wir uns intensiv mit den Wünschen und Bedürfnissen unserer MitarbeiterInnen beschäftigt: Einerseits denken viele WissenschafterInnen immer noch, nur dann erfolgreich sein zu können, wenn sie ihr Leben ausschließlich der Forschung widmen. Andererseits sind viele Frauen, aber auch viele junge Männer mittlerweile der Auffassung, dass ihr Leben aus mehr bestehen sollte als nur aus Hörsaal und Labor. Besonders in den Naturwissenschaften existieren Vorstellungen, die sehr von klassischen Männerkarrieren geprägt sind, etwa „man kann nur was erreichen, wenn man eisern an der Karriere arbeitet und sich der Forschung ganz hingibt“. Dieses Bild wirkt abschreckend insbesondere auf Frauen und hält sie unter anderem davon ab, wissenschaftliche Karrieren in MINT-Fächern anzustreben. Dadurch geht uns wertvolles intellektuelles Potenzial - und damit Kapital - verloren. Wir möchten unsere KollegInnen durch ein ganzes Maßnahmenpaket dabei unterstützen, ein gut lebbares Gleichgewicht zwischen beruflicher Anforderung und einem gelungenen Privatleben zu finden. Wir tun das auch in der Absicht, Frauen dazu motivieren, in eine „Männerdomäne“ einzutreten.

Stichwort Frauenförderung: Was tut hier die Uni Graz?
Dworczak: Eine wesentliche Rolle spielen sicherlich Berufungen von Frauen. Besonders am Herzen liegt uns die Entwicklung von jungen WissenschafterInnen. Zentral ist dabei das einjährige Karriereprogramm Potentiale. Frauen aller Grazer Universitäten erkunden dabei die Möglichkeiten eines Berufswegs als Forscherin. Dazu kommen Angebote für alle Karrierestufen von Seminaren für Studentinnen bis hin zu Bewerbungstrainings für Berufungen, Mentoring und Coaching. Auch finanzielle Unterstützung ist in manchen Fällen möglich, etwa zur Fertigstellung einer Dissertation.

Erstellt von Konstantin Tzivanopoulos

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