Die Steiermark zählt zu den erfolgreichsten Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsregionen Europas. Dieser Erfolg ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen in exzellente Lehre, international sichtbare Forschung, engagierte Menschen sowie einer beispielgebenden Zusammenarbeit der fünf steirischen Universitäten und ihrer Partner aus Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft. Eine Finanzierungslücke der Universitäten, wie sie derzeit im Raum steht, würde die Steiermark besonders empfindlich treffen. Sie hätte spürbare Auswirkungen auf die universitäre Forschung, auf Studium und Lehre, auf die Betreuungsqualität und die Studienbedingungen sowie auf die Breite des Studienangebots. Auf Initiative der Universität Graz haben Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam darüber beraten, wie die Finanzierung der Universitäten für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode 2028–2030 gestaltet werden kann.
Die fünf steirischen Universitäten – Universität Graz, Technische Universität Graz, Medizinische Universität Graz, Kunstuniversität Graz sowie Montanuniversität Leoben – sehen dringenden Gesprächs- und Handlungsbedarf. Sie werden jedenfalls ihren Beitrag zur notwendigen Konsolidierung der öffentlichen Haushalte leisten, stehen jedoch vor der Herausforderung, gleichzeitig ihre Leistungsfähigkeit für Forschung, Lehre, Innovation und die Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte im Süden Österreichs zu erhalten.
Die geplanten Einschnitte wären jedenfalls ein massiver Eingriff in die Zukunft der jungen Menschen, der nächsten Generation und treffen natürlich auch die Universitätsstädte Graz und Leoben. In der steirischen Landeshauptstadt leben 50.000 Studierende, ein Sechstel der Bevölkerung. Die rund 3000 Studierenden in Leoben stellen mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. Was nur wenige bedenken: Die jungen Menschen prägen nicht nur die Stadtbilder, sie sind auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund drei Viertel von ihnen arbeiten neben dem Studium, sie sind verlässliche Mieterinnen und Mieter und nicht zuletzt gehen sie in Lokale und kaufen in Geschäften vor Ort ein.
Uni Graz: Nach Abschluss bleibt die Hälfte in Graz
Welche Bedeutung Studierende für die Stadt haben, zeigt auch die Erhebung der Karrierewege der Absolventinnen und Absolventen der Uni Graz. Von den über 5000 junge Menschen, die im Wintersemester an der Universität Graz ein Studium beginnen werden, kommen 49 Prozent aus der Steiermark. Nach ihrem Abschluss bleiben jedoch 58,1 Prozent der Absolventinnen und Absolventen in der Region und bringen ihre Expertise in den steirischen Arbeitsmarkt ein. Aufgrund dieser Zahlen wissen wir auch, dass drei Jahre nach dem Master-Abschluss 84 Prozent der Personen erwerbstätig waren. Die fünf bedeutendsten Branchen sind Sozialwesen (12 %), öffentliche Verwaltung (7 %), Erziehung und Unterricht (5 %), tertiärer/post-sekundärer Unterricht (5 %) sowie Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung (4%).
Universitäten schaffen Wertschöpfung weit über den Campus hinaus
Für den Wissenschafts-, Wirtschafts- und Kulturstandort Steiermark wären Einschnitte bei Forschung, Lehre und wissenschaftlichem Nachwuchs unmittelbar spürbar. „Die steirischen Universitäten erwirtschaften jedes Jahr 1,25 Milliarden Euro an Wertschöpfung und sichern rund 20.000 Arbeitsplätze. Dass die Steiermark mit 5,3 Prozent die höchste Forschungsquote Österreichs hat, ist kein Zufall, sondern Ergebnis dieser Verzahnung: Acht der fünfzehn österreichischen COMET-Projekte werden von einem steirischen Universitätsinstitut geleitet, und die Kausalität läuft von der Universität zur Industrie – Forschung zieht Betriebe an. Der größte Teil des Ertrags ist aber gar nicht in diesen Zahlen sichtbar: Drei bis zehn Prozent des realen Wirtschaftswachstums gehen auf universitäre Forschung und Lehre zurück. Genau deshalb sind Kürzungen in diesem Bereich so gefährlich – schon fünf Prozent weniger Absolventinnen und Absolventen kosten Österreich langfristig 3,2 Milliarden Euro pro Jahr,“ betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von Eco Austria.
Die Steiermark erwirtschaftet aktuell mit ihrer Forschungsquote mehr als ein Fünftel der gesamten österreichischen Forschungs- und Entwicklungsleistungen; rund ein Viertel davon entfällt auf die öffentlichen Hochschulen. Und auch die innovativen Unternehmen sind auf die an den Universitäten ausgebildeten Expertinnen und Experten angewiesen. Gleichzeitig sind die Universität Graz, die TU Graz, die Medizinische Universität Graz, die Kunstuniversität Graz und die Montanuniversität Leoben zentrale Arbeitgeber, Ausbildungsstätten, Kulturträger und Forschungspartner in der Region. Sie tragen wesentlich zur Innovationskraft und internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Steiermark bei und prägen das Stadtbild.
Finanzierung muss transparent und realistisch sein
Für die neue Leistungsperiode 2028–2030 haben die österreichische Universitätenkonferenz (uniko) und die Universitäten vorausschauend einen ohnehin knapp bemessenen Finanzierungsbedarf von 18 Milliarden Euro errechnet. Der Bund aber geht weiter von einer Fortschreibung des bisherigen Uni-Budgets in der Höhe von 16,5 Milliarden Euro gesamt für die österreichischen Unis aus und kalkuliert nach derzeitigem Wissensstand darin auch jene Ausgaben in der Höhe von etwa 1 Milliarde Euro, die bisher nicht von den Universitäten direkt, sondern über andere Budgetquellen finanziert wurden. Auf den Punkt gebracht, würde dieser Budgetkurs eine Finanzierungslücke von insgesamt 2,5 Milliarden Euro für die österreichischen Universitäten in der nächsten Leistungsperiode bedeuten.
Für die steirischen Universitäten ist daher entscheidend, zunächst eine gemeinsame Klarheit über die tatsächliche Größenordnung und Struktur des Universitätsbudgets für die kommende Leistungsperiode herzustellen. Dabei müssen auch jene Kosten berücksichtigt und transparent ausgewiesen werden, die nach den Plänen der Regierung derzeit im Universitätsbudget zusätzlich einkalkuliert werden. Bis Ende Oktober muss der Bund die Weichen für die nächste dreijährige Leistungsperiode 2028-2030 der Universitäten gestellt haben.
„Uns ist bewusst, dass wir in budgetär herausfordernden Zeiten leben. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Universitäten sparen können. Das können und werden sie. Entscheidend ist, dass der Sparkurs nicht jene Strukturen beschädigt, die mit viel Anstrengung aufgebaut wurden und die wir Menschen für die Zukunft brauchen. Denn neben der klassischen Berufsausbildung und exzellenter Forschung verbindet eine Allgemeinuniversität unterschiedliche Disziplinen. Dadurch kann sie sich den zentralen Zukunftsfragen in ihrer vollen gesellschaftlichen Tragweite widmen, vom Klimawandel und Healthy Aging über Digitalisierung, KI und Ethik bis zu Demokratie, Nachhaltigkeit, Inklusion und frühkindlicher Bildung. Diese Breite ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft“, betont Peter Riedler, Rektor der Universität Graz und dankt der ÖH-Uni Graz für diese gemeinsame Initiative zum Runden Tisch, die kurzerhand und auf Augenhöhe umgesetzt werden konnte.
„Bildung ist ein Menschenrecht und der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Trotzdem soll jetzt genau hier massiv gekürzt werden! Wer bei den steirischen Hochschulen den Sparstift ansetzt, spart nicht einfach nur Geld ein, sondern greift die Zukunft von rund 60.000 Studierenden in der Steiermark an, gefährdet die Chancengerechtigkeit und schwächt unsere Demokratie. Dabei ist vor allem die Vielfalt der Studienrichtungen wie bei uns an der Universität Graz essenziell, um Räume kritischen Denkens, faktenbasierte Diskussionen und einen offenen Austausch überhaupt erst möglich zu machen. In Zeiten multipler Krisen und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung sind genau deshalb ausfinanzierte Universitäten wichtiger denn je. Kürzungen setzen die Zukunftsperspektiven von uns Studierenden und Nachwuchsforschenden aufs Spiel und senden ein fatales Signal an die gesamte Gesellschaft“, bringt Valentina Simschitz, ÖH-Vorsitzende Uni Graz die Sorge auf den Punkt.
Sparen, ohne Zukunftschancen zu verspielen
Wie vor allem in den vergangenen Monaten mehrfach ausführlich erklärt wurde, bekennen sich die steirischen Universitäten zu einem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Effizienzpotenziale und Strukturen werden laufend weiterentwickelt. Gerade in der Steiermark haben die Universitäten bereits vor mehr als zwanzig Jahren begonnen, intensiv auf Kooperationen zu setzen (z. B. NAWI Graz, BioTechMed-Graz, Kunst-TU, iHub Graz, Gründungsgarage, Lehramtsausbildung). Sie zeigen mit den gemeinsam geschaffenen Infrastrukturen (z. B. GCP, Cori-Gebäude, Geozentrum) auf, wie man sich gemeinschaftlich stärker positionieren und Kräfte bündeln kann.
Die Universitäten und die Österreichische HochschülerInnenschaft warnen seit Mai geschlossen davor, kurzfristige Einsparungen mit langfristigen Folgekosten zu erkaufen. Ohne finanzieller Sicherheit, sind kostenintensive Investitionen in technische Einrichtungen für naturwissenschaftliche Studien kaum zu stemmen. Zudem fallen rund 85 Prozent der Uni-Mittel auf das Personal, das einerseits die Expertinnen und Experten der Zukunft ausbildet und andererseits Forschung auf Spitzenniveau sicherstellt. Kürzungen in diesem Bereich schwächen die internationale Wettbewerbsfähigkeit um die besten Forschenden und Studierenden. Auch das Einwerben von EU-Mitteln oder die Etablierung co-finanzierter Forschungskooperationen wird dadurch schwieriger, was eine Verschlechterung in den relevanten Uni- und Standortrankings zur Folge hat.
Gemeinsame Verantwortung für die Zukunft
Mit dem Runden Tisch soll ein Beitrag zu einer sachlichen, gemeinsamen und lösungsorientierten Diskussion geleistet werden. Ziel ist es, eine tragfähige Grundlage für die weiteren Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen 2028–2030 für die steirischen Unis zu schaffen und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft der steirischen Wissensregion zu entwickeln.
Der Runde Tisch richtet deshalb den Blick über einzelne Einrichtungen und kurzfristige Budgetfragen hinaus. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Verantwortung für einen starken Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Steiermark sowie konkret für die beiden Universitätsstädte Graz und Leoben.
Mario Kunasek, Landeshauptmann der Steiermark:
„500 Millionen Euro sollen die steirischen Universitäten nach den Plänen von Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner einsparen. Als Landeshauptmann der Steiermark sage ich klar: Das ist ein Frontalangriff auf unseren Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort! Mit diesem Kahlschlag verlieren wir an Qualität in Forschung und Lehre, unsere Studenten erhalten schlechtere Betreuungsschlüssel und 1.000 Arbeitsplätze an unseren Universitäten sind massiv gefährdet, 500 alleine an der TU Graz. Wer unseren Universitäten eine halbe Milliarde Euro entzieht, zerstört Zukunftschancen, vernichtet Arbeitsplätze und schwächt bewusst den Standort Steiermark. Deshalb appelliere ich eindringlich an die Bundesregierung, von diesen Plänen abzugehen, und fordere ganz besonders die Wissenschaftsministerin der SPÖ auf, hier umzudenken und die Steiermark und Österreich insgesamt in diesem wichtigen Zukunftsbereich nicht zu schwächen, sondern zu investieren. Das braucht Österreich, das braucht der Standort und das braucht vor allem die Steiermark“.
Elke Kahr, Bürgermeisterin der Universitätsstadt Graz:
„Graz ist eine Stadt, in der die Universitäten, Forschungs- und Bildungseinrichtungen eine ganz wesentliche Rolle spielen. Die wirtschaftliche und demografische Entwicklung ist eng mit den Universitäten verbunden. Eine positive Entwicklung des steirischen Zentralraums und seiner vielfältigen Wirtschaft ist ohne eine finanziell abgesicherte Bildungspolitik nicht vorstellbar. Deshalb ist eine tragfähige Finanzierung auch für die steirische Landeshauptstadt von größter Bedeutung.“
Kurt Wallner, Bürgermeister der Universitätsstadt Leoben:
„Für Leoben ist die Montanuniversität weit mehr als eine Hochschule – sie ist ein zentraler Teil unserer Stadt und eng mit Industrie, Wirtschaft und Arbeitsmarkt verbunden. Wer bei Forschung, Lehre und jungen Talenten spart, schwächt daher nicht nur eine Universität, sondern den gesamten Wirtschafts- und Innovationsstandort. Natürlich braucht es einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Aber gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten müssen wir jene Strukturen sichern, die Fachkräfte ausbilden, Innovation ermöglichen und damit unsere Zukunft gestalten.“
Weitere Statements >> hier
Detaillierte Infos zum Wirtschaftsfaktor Universitäten >> hier
Infos zur Budget-Situation der steirischen Unis >> hier