Insekten wie Grillen und Heuschrecken reiben Flügelstrukturen – eine Schrillleiste mit Zähnchen und eine harte Kante – aneinander, um Laute zu produzieren. Tonhöhe und Rhythmus sind von Anzahl und Abstand der Zähnchen an der Schrillleiste sowie der Form und der Bewegung der Flügel abhängig. Chinesische Forschungspartner:innen von Thorin Jonsson haben extrem gut erhaltene Fossilien von neun verschiedenen Heuschrecken-Arten gefunden, die zur selben Zeit in derselben Gegend lebten, nämlich im Mittleren Jura der heutigen Inneren Mongolei. Die „Klangwerkzeuge“ sind darauf so gut zu erkennen, dass die Biolog:innen durch verschiedene Analysen, Simulationen und KI-gestützte Auswertungen die Tonhöhen und die Grundsilben – also die kleinsten „musikalischen“ Einheiten – der Paarungsrufe rekonstruieren konnten.
„Unsere Ergebnisse zeigen eine große Vielfalt an Ruf-Frequenzen. Mehrere Arten erzeugten reine, tiefe Töne wie heutige Grillen, andere höhere Frequenzen, ähnlich wie unsere heimischen Laubheuschrecken“, berichtet Jonsson. Eine Art überraschte die Forschenden: Sie kommunizierte im Ultraschallbereich – 100 Millionen Jahre bevor sich Fledermäuse entwickelten. „Damit konnten wir zeigen, dass die Welt im Jura akustisch wesentlich reicher und diverser war, als bisher angenommen“, fasst der Biologe zusammen.
Die Forschung im Rahmen des vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt „Small Wings, Loud Songs“ führt Thorin Jonsson gemeinsam mit Kolleg:innen aus Großbritannien, China und USA durch. Die Publikation „Reconstruction of an extinct soundscape reveals ultrasonic communication in the Jurassic“ erschien in der aktuellen Ausgabe des Magazins PNAS.