Anfang Juli hat der Vatikan erklärt, dass die Mitglieder der Pius-Bruderschaft sowie deren Anhänger:innen aus der Katholischen Kirche exkommuniziert wurden. Durch die Handlungen der Pius-Bruderschaft sei nun ein Schisma entstanden. Was das für die Zukunft der Mitglieder und Anhänger:innen bedeutet und welche Folgen der Empfang von Sakramenten der Mitglieder der Pius-Bruderschaft hat, erklärt Bernd Hillebrand von der Fakultät für katholische Theologie der Universität Graz.
Warum wurden die Mitglieder der Pius-Bruderschaft und ihre Anhänger und Anhängerinnen gerade jetzt exkommuniziert?
Sie wurden jetzt exkommuniziert, weil von ihr vier Bischöfe geweiht wurden. Es sind unerlaubte Bischofsweihen und nach dem Kirchenrecht wird die Bruderschaft dadurch von selbst mit der Exkommunikation belegt. Dies ist gleichsam ein letzter Tropfen. Das Schisma zwischen den Pius-Brüdern und der Katholischen Kirche liegt allerdings im Wesentlichen darin, dass die Pius-Bruderschaft die Lehre des letzten Konzils, des Zweiten Vaticanums, nicht akzeptiert. Im Wesentlichen lehnen sie drei Punkte des Konzils ab: die Religionsfreiheit, die Ökumene und die aktuelle Kirchenentwicklung, in der Laien und Kleriker die Kirche zusammen gestalten. Es schwingen dabei allerdings noch schwerwiegendere Differenzen mit, z.B. dass die Bruderschaft antisemitische und antidemokratische Positionen vertritt. Sie relativiert durch ihren radikalen antimodernistischen Kurs die Menschenwürde an sich.
Der Vatikan spricht von Schisma. Was bedeutet das? Gibt es jetzt eine neue Kirche?
Ein Schisma bedeutet, dass es eine Spaltung zwischen der Katholischen Kirche und den Pius-Brüdern gibt. Dadurch sind sie von der Katholischen Kirche und dem Empfang der Sakramente ausgeschlossen. Sie haben sich durch die unerlaubten Bischofsweihen in der Schweiz selbst exkommuniziert – aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.
Dadurch sind sie noch keine eigene Kirche. Sie sind eine christliche Bewegung, die aber momentan keine eigene Konstitution und Verfassung hat. Durch die Aufhebung der Exkommunikation durch Papst Benedikt waren sie ein Teil einer Bewegung innerhalb der Katholischen Kirche, was sie nun nicht mehr sind.
Was bedeutet das für Personen, die Sakramente von Mitgliedern der Pius-Bruderschaft bekommen haben, vielleicht auch ohne das zu wissen?
Da sie bis zum Zeitpunkt der unerlaubten Bischofsweihen ein Teil der Katholischen Kirche war, sind die bisher gespendeten Sakramente gültig und erlaubt gewesen. Nach der Exkommunikation, also zum jetzigen und kommenden Zeitpunkt, sind Sakramente von Mitgliedern der Pius-Bruderschaft nicht erlaubt und formal nicht gültig. Wer sie empfängt, schließt sich also selbst von der Katholischen Kirche aus, weil man sich dadurch selbst in eine andere Gemeinschaft und außerhalb der Gemeinschaft der Katholischen Kirche stellt.