Bruce Springsteen singt über „blutigen Schleier“ von Minneapolis. Millionen demonstrieren gegen die Regierung in den Vereinigten Staaten. „Es gibt außerdem zahlreiche Institutionen, die Migrant:innen unterstützen und die Rechte von Gegangenen verteidigen. Auch die Zivilgesellschaft wehrt sich kreativ, etwa in Form von Eisblock-Kostümen, gegen die Behörde ICE“, schildert Nicole Haring von der Graz School of Interdisciplinary Transnational Studies.
Doch wie lässt sich der öffentliche Diskurs, den Donald Trumps Politik beherrscht, stärker auf Kritik und Protest lenken? Welche Rolle spielen dabei demokratische Strukturen und wie können diese gestärkt werden? Fragen, die nicht nur die amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaftlerin beschäftigen.
Rund 100 Referent:innen, darunter ehemalige in Guantánamo Inhaftierte sowie Menschenrechtsaktivist:innen, werden sich bei der Tagung „Camps, Belonging, and Abolition Democracy“ vom 4. bis 7. Juni 2026 an der Uni Graz diesem Thema widmen.
„Lager sind sowohl Orte von Isolation, Rassismus und Misshandlung als auch ein geopolitisches Instrument“, beschreibt Nicole Haring. Und das längst nicht nur in den USA, sondern auch in der EU. Denn Aufnahmezentren sowie ausgelagerter Überwachungsschutz verschieben bekannte Grenzen – sowohl nach innen als auch nach außen. Politikwissenschaftlerin Bilgin Ayata leitet dazu an der Universität Graz ein großes Forschungsprojekt und ist ebenso Vortragende.
Die Konferenz, die gemeinsam mit der Universität von Puerto Rico durchgeführt wird, rückt zugleich den karibischen Raum in den Mittelpunkt des Interesses. Denn aktuelle Machtansprüche des US-Präsidenten stellen interamerikanische Beziehungen auf den Kopf. Der Golf von Mexiko heißt seit dem Vorjahr Golf von Amerika. In Venezuela wurde der Staatschef entmachtet. Und Kuba ist laut Trump als nächstes dran. In diesem Zusammenhang werden sich die Teilnehmer:innen auch damit auseinandersetzen, wie demokratische Strukturen derartigen imperialistischen Tendenzen entgegenwirken können.
„Wir wollen zuversichtlich in die Zukunft blicken und utopische Szenarien diskutieren“, verrät Nicole Haring. Denn es gebe Visionen von einer humaneren Gesellschaft, die Einschränkung von Bewegungsfreiheit massiv in Frage stellt und ohne Gefängnisse sowie ohne Todesstrafe auskommen will.
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