„Wir wollten den NS-Opfern ein Gesicht geben“, schildert Zeithistoriker Gerald Lamprecht. „Viele haben kein Grab, und auch sonst erinnert nur sehr wenig an sie.“ Das ändert nun die Plattform MEMOR, die am 6. Mai 2026 im Graz Museum vorgestellt wurde. Das Projekt dokumentiert erstmals die Biographien aller Grazer:innen, die die Nationalsozialisten sowie ihre Kollaborateure aufgrund rassistischer Diskriminierung zwischen 1938 und 1945 verfolgten und ermordeten.
Eine interaktive Karte verzeichnet die letzten Wohnadressen der NS-Opfer, darunter Jüdinnen und Juden, Roma/Romnja und Sinti/Sintizze, Menschen mit Beeinträchtigungen Oppositionelle, Widerstandskämpfer:innen und Homosexuelle. Sie alle kamen ums Leben, weil sie nicht ins Weltbild der verbrecherischen Nazi-Diktatur passten.
Das Projekt bewahrt die Toten – entgegen der Intention der Nationalsozialisten – vor dem Vergessen und holt sie aus der Anonymität. „Wir haben Bilder der Menschen gesucht und sie im Projekt integriert“, erklärt Lamprecht.
„MEMOR ist damit nicht nur ein historisches Archiv auf dem aktuellen Stand der Forschung, sondern ein wichtiges Bildungsinstrument“, ergänzt Heimo Halbrainer, Leiter von CLIO.
Auch nach mehr als 80 Jahren sei es für eine liberale und demokratische Gesellschaft eine moralische Pflicht, an die Opfer des Unrechtsregimes zu erinnern, betont Gerald Lamprecht. Und der Leiter des Centrums für Jüdische Studien mahnt: „Die Schicksale erinnern uns daran, dass Demokratie und Menschenrechte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern gelebt und eingeübt werden müssen.“
⇒ digitales Gedenkbuch MEMOR