Welche Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten habe ich? Wie gehe ich mit Rückschlägen um? Wie bringe ich die Wissenschaftslaufbahn mit der Familie unter einen Hut? Diese und viele weitere Themen beschäftigen Forscher:innen, in den Anfangsjahren ihrer Berufslaufbahn. Antworten darauf gibt seit kurzem der Research Careers Campus, der Aktivitäten für Forschende vor einer Professur bündelt. Neben Workshops, Coachings und Beratungsgesprächen und dem Aufbau von Netzwerken mit Arbeitgeber:innen genießt die uni-interne Vernetzung großen Stellenwert. Dieser trug die offizielle Eröffnung am 22. und 23. April in der Aula sowie im unicorn mit einem ganz besonderen Festival Rechnung.
„Der Research Careers Campus ist die zentrale Einrichtung für die Förderung von Forschungstalenten an unserer Universität“, hob Rektor Peter Riedler in seiner Begrüßung hervor. Als Reaktion auf internationale Trends und hohe interne Nachfrage habe die Einrichtung ein bedarfsorientiertes Angebot auch für erfahrenere Wissenschaftler:innen, sogenannte Mid-Career-Forscher:innen, entwickelt.
Vizerektorin Mireille van Poppel unterstrich den reichen Erfahrungsschatz in der Karriereentwicklung: „Der Research Careers Campus basiert auf Erfahrungen von 15 Jahren. 2011 wurde die erste Anlaufstelle für Doktoratsstudierende eingerichtet. 2022 wurde das österreichweit erste Postdoc-Büro gegründet. Die Zusammenführung dieser erfolgreichen Initiativen war eine logische Folge, weil die Bedarfe sich überschneiden.“
Vizerektor Joachim Reidl wünschte dem Research Careers Campus für die kommenden Jahre, dass „die positive Energie anhält und seine Position gefestigt hat, die Forschenden zu informieren und zu motivieren“.
Im Fokus der Auftakt-Veranstaltung stand die Frage, wie sich eine positive Forschungskultur in allen Karrierephasen etablieren lässt. „Dabei geht es um gute Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler:innen, den Austausch zwischen Forschenden verschiedener Laufbahnstufen, die Förderung einer Peer-Kultur und das Weiterarbeiten an unserer ,friendly university‘“, beschreibt Johanna Stadlbauer, Leiterin des Research Careers Campus.
Award-Verleihung: Aller guten Dinge sind drei
Eine positive Forschungskultur an der Uni Graz treiben auch drei Projekte voran, die im Rahmen des Festivals mit einem speziellen Award prämiert wurden:
Ein interdisziplinäres Team hinterfragt, wie wir über Pflanzen und miteinander sprechen. Das Projekt „From Roots to Words: Rethinking How We Speak About Plants (and Us)” will Denkanstöße für ein gendersensibles Miteinander von Studierenden, Forschenden und Lehrenden liefern. Denn der Umgang miteinander soll auf Wissenschaftspraxis abfärben, hat sich das Team vorgenommen. „Es gibt Vorschläge für alternative Begriffe und Kategorisierungen für Pflanzen, die neutraler und inklusiver sind, ohne dabei Abstriche bei der wissenschaftlichen Genauigkeit zu machen“, verweist Sarah Bürli, wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Gartens, etwa auf Publikationen. ⇒ über das Projekt mehr erfahren
Unsicherheit und Skepsis gegenüber Open Science möchte die Graz Open Science Initiative (GOSI) ausräumen. Die Initiative von vier Psycholog:innen legt den Finger zudem auf Schwächen und Vorbehalte sowie plant ein Forum für Interessierte. „Es geht uns nicht um die Infrastruktur von Open Science“, erklärt Psychologin Živa Korda. Im Mittelpunkt steht vielmehr der soziale Aspekt: „Wir wollen die positiven, aber auch problematischen Seiten der Anwendung thematisieren. Wie überall in der Wissenschaft, ist der kritische Blick wichtig.“ Obwohl die Methode zur Veröffentlichung von Ergebnissen generell weit verbreitet und anerkannt ist, stößt das Teilen von Daten und Forschungsmaterialien nach wie vor auf Bedenken und Barrieren.
Gerade an entlegenen Plätzen wie der Arktis stellt Forschen eine Herausforderung für Männer und Frauen dar. Wie in vielen Lebensbereichen fanden auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Geschlechter bei Expeditionen in den hohen Norden wenig Beachtung. Auch der Umgang mit der indigenen Bevölkerung wird von Wissenschaftler:innen oft nicht ernst genug genommen. Der Bau der neuen Sermilik-Station der Universität Graz eröffnete nun die Möglichkeit, ein umfassendes Handbuch für sichere und inklusive Feldforschung zu erstellen. Es vereint ethische Leitlinien, Anti-Diskriminierungsstandards und praktische Anleitungen für eine respektvolle Arbeitsumgebung auf der Station und in der Gemeinde Tasiilaq. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung soll es auch als Vorbild für andere Forschungsstationen weltweit dienen. Für diese weitblickende und zukunftsträchtige Arbeit wurde das Projekt mit dem Research Integrity Award der Universität Graz ausgezeichnet.