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Universität Graz Neuigkeiten Zwischentöne

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Mittwoch, 24.08.2022

Zwischentöne

Seit der Zeit der Zaren fungierten Züge als imperiale Werkzeuge - auch in der späteren Sowjetunion. Das Trillern einer Pfeife oder die schnaufende Lokomotive suggerieren deshalb in der Belletristik oft latente Bedrohung, wie auch in Tschingis Aitmatows Roman „Ein Tag länger als ein Leben“. Hier eine Szene aus dem Jahr 1903 am Bahnhof von Chilok (Transbaikalien). Foto: https://commons.wikimedia.org/ CC by 4.0.

Seit der Zeit der Zaren fungierten Züge als imperiale Werkzeuge - auch in der späteren Sowjetunion. Das Trillern einer Pfeife oder die schnaufende Lokomotive suggerieren deshalb in der Belletristik oft latente Bedrohung, wie auch in Tschingis Aitmatows Roman „Ein Tag länger als ein Leben“. Hier eine Szene aus dem Jahr 1903 am Bahnhof von Chilok (Transbaikalien). Foto: https://commons.wikimedia.org/ CC by 4.0.

Zuggeräusche als Symbol eines imperialen Systems: Nur ein Beispiel, wie Gewalt in der Literatur hörbar wird

Wie können wir Gewalt in Büchern "hören"? In Beschreibungen, Lautmalereien oder in Dialogen – das ist klar. Doch auch zwischen den Zeilen ist sie spürbar. Sei es als direkte, körperliche Kraft, als strukturelle Form der Unterdrückung oder als bewusste Entziehung von Anerkennung oder Wertschätzung. Vermittelt werden diese verschiedenen Gesichter der Gewalt in Werken der Literatur oft auf viel subtilere Weise als es auf den ersten Blick scheint.

Wie verschiedene AutorInnen den Wechsel zwischen Hörbarem ins Schriftliche bewerkstelligen und wofür die dargestellte Gewalt in ausgewählten Werken exemplarisch steht, das hat sich Dimitri Smirnov in seiner Dissertation angesehen. Zeitlich und räumlich verortet der Kulturwissenschafter seine Analyse im Postkolonialismus – konkret an Schauplätzen in Südafrika, Haiti, der Karibik und damit einhergehend England, sowie dem heutigen Kasachstan.

Für seine Arbeit zeichnete ihn die Geisteswissenschaftliche Fakultät der Uni Graz mit dem GEWI-Preis für die beste Dissertation 2022 aus (ex aequo mit Susanne Christ). In einer neuen Ausgabe des Wissenschaftspodcasts „HörSaal: 15 Minuten Forschung“ spricht Smirnov über gehörte/hörbare Gewalt in den folgenden Romanen: „Voyage in the Dark“ von Jean Rhys, „Waiting for the Barbarians“ von J.M. Coetzee, „Ein Tag länger als ein Leben“ von Tschingis Aitmatow und „Les Affres d'un Défi“ von Frankétienne.

Zur Folge auf:

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Erstellt von Gerhild Leljak

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