„Wir haben sechs Räume, die ein Haus ergeben“, stellt Anita Ziegerhofer eine Analogie zwischen den Fachbereichen und dem von ihr geleiteten Institut her. Dieses Spektrum ist tatsächlich breit gefächert: Römisches Recht; Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung; Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtspolitik; Verhandlungs- und Mediationsforschung; Recht und IT sowie Global Governance. „Unsere Stärke ist die Heterogenität“, bringt es Ziegerhofer auf den Punkt.
In den vergangenen zehn Jahren seien die sechs Arbeitsfelder gut zusammengewachsen und bilden verstärkt Schwerpunkte untereinander. „Wir bilden junge Menschen aus und versuchen sie auch für die Wissenschaft zu begeistern“, beschreibt die Rechtshistorikerin das gemeinsame Ziel.
Am Puls der Zeit
Am 1. Juli 2016 wurde das Institut auf Initiative des damaligen Dekans Joseph Marko gegründet. Und auch nach zehn Jahren verfüge die Uni Graz mit dem Institut über ein Alleinstellungsmerkmal in Österreich, weil es unterschiedliche Fachbereiche miteinander verschränke. „Mit dieser Vielfalt wollen wir aus der Vergangenheit lernen, um die Herausforderungen der Gegenwart, aber vor allem die Zukunft besser zu verstehen“, betont Anita Ziegerhofer. „Denn wir agieren am Puls der Zeit in einem internationalen Netzwerk“, so ihr Anspruch.
Räume des Rechts
Anlässlich des Jubiläums wird daher weniger zurück, sondern vielmehr nach vorne geblickt. Beim Symposium „Räume des Rechts“ am 11. Juni 2026 beschäftigten sich Wissenschaftler:innen aus ihren unterschiedlichen Perspektiven mit aktuellen Themen. Darunter wurde beleuchtet, ob nationale Regeln globale Phänomene lösen können, welche Fristen bei außergerichtlicher Streitbeilegung gelten und welche Macht Algorithmen über uns haben.
„Das Symposium zeigt das Leistungsspektrum des Instituts“, würdigte Rektor Peter Riedler im Rahmen der Eröffnung die wissenschaftliche Breite und bekräftigte deren nachhaltige Wirkung: „Gerade jetzt braucht es die Vermittlung der Rechtsgrundsätze und der historischen Entwicklung.“
Der Mensch im Mittelpunkt
Den Abschluss bildete eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion. Unter der Moderation von Minister und Rektor a.D. Martin Polaschek diskutierten die online zugeschaltete Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, Gabriele Rippl vom Schweizer Nationalfonds und FWF-Präsident Christof Gattringer über den Stellenwert der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Sind dieses Disziplinen nur ein schönes Ornament richtete Polaschek die Farge an seine Amtsnachfolgerin? „Sie sind Teil des Fundaments“, antwortete Wissenschaftsministerin Holzleitner. Gerade im Zeitalter der Desinformation und wachsender autoritärer Systeme seien die Erkenntnisse vom gesellschaftlichen Zusammenleben bedeutend. Ins selbe Horn stieß die Schweizer Forschungsrätin Gabriele Riepl: „Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig jene Bereiche sind, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht.“ Auch wenn der Druck zunehme, werde die Krise der Geisteswissenschaften oft herbeigeredet. Aber man könnte mehr tun, um sie besser zu verkaufen. In Österreich gelinge das laut FWF-Statistik gut. Präsident Gattringer warf einen Blick auf Bewilligungen der vergangenen zehn Jahre: „Zwischen 20 und 24 Prozent der gesamten Fördersumme betrafen die Geistes- und Sozialwissenschaften.“ Auch beim renommierten ERC Grant gebe es, laut Gattringer, eine hohe Erfolgsquote: Unter den Geisteswissenschaften liege Österreich hinter den Niederlanden und Belgien an dritter Stelle.
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