Wie passen wissenschaftliche Freiheit und neutrale Haltung zusammen? Dieser Frage ging David Beaver von der University of Texas, Austin im Rahmen des Empfangs der Steirischen Hochschulkonferenz auf den Grund. Über 150 Teilnehmer:innen trafen dafür am 11. März 2026 in der Aula der Universität Graz zusammen. Die Band des Universitätsorchesters begleitete den Abend musikalisch.
Rektor Peter Riedler, der aktuelle Vorsitzender der Hochschulkonferenz, betonte vor dem Vortrag die Bedeutung der Zusammenarbeit südösterreichischer Hochschulen. „Die Steiermark und Kärnten sind heute enger verbunden als je zuvor. Und in den aktuell herausfordernden Zeiten sind es die Hochschulen, die mit ihrer Lehre und Forschung die Innovationskraft der Region stärken und uns so resilienter gegenüber Krisen machen.“
„Unsere Hochschulen leisten einen zentralen Beitrag dazu, dass unser Bundesland in vielen Bereichen zu den innovativsten Regionen Europas zählt“, sagt Willibald Ehrenhöfer, steirischer Landesrat für Wirtschaft, Arbeit, Finanzen sowie Wissenschaft und Forschung. „Damit wir diesen Erfolgsweg weiter gehen können, brauchen wir eine offene Gesellschaft und eine freie Wissenschaft, frei von Grenzen. Denn mit Grundlagenforschung legen wir die Basis für die Wirtschaft von übermorgen und mit angewandter Forschung sichern wir den Wohlstand von morgen.“
Viele Kooperationen
Was die Zusammenarbeit innerhalb der Steirischen Hochschulkonferenz in Zahlen bedeutet, zeigte Andrea Seel auf, Rektorin der Private Pädagogische Hochschule Augustinum: „Die fünf Universitäten, zwei Fachhochschulen und zwei Pädagogischen Hochschulen stehen für mehr als 60.000 Studierende in rund 500 Studien. 15.000 Beschäftigte finden an hier ihre berufliche Heimat.“
Die enge Zusammenarbeit und die koordinierte Weiterentwicklung ermöglichten Vorhaben, von denen alle profitieren. „Es gibt intensive Lehr- und Forschungskooperationen, gemeinsame Studien, Medienkooperationen und auch Abstimmungen im Bereich Krisen- und Notfallmanagement“, führt Seel aus. Besonders stolz ist sie auf die breitenwirksamen Projekte wie den Science Garden oder die Kinderuniversität oder die Earth Talks, in denen aktuelle gesellschaftliche Fragen offen diskutiert werden.
Der Keynote-Speaker des Abends, David Beaver von der University of Texas in Austin, widmete sich einer unter Wissenschaftler:innen viel diskutierten Frage: Dem Konflikt zwischen dem Wunsch nach Neutralität und Objektivität auf der einen und der wissenschaftlichen Freiheit auf der anderen Seite. „Wenn wir über Neutralität sprechen, denken wir oft, dass es gewisse unumstößliche Fakten gibt. Dabei sind wir aber selbst nicht immer ganz objektiv und versuchen, über die Sprache Fakten als neutral darzustellen.“ Beaver sieht darin eine gefährliche Entwicklung. „Der Friedens-Nobelpreisträger Eli Wiesel erinnert uns daran, dass Neutralität stets dem Unterdrücker hilft, nicht den Opfern. Schweigen ermutigt den Peiniger, niemals den Gequälten.“ Angelehnt daran warnt Beaver davor, dass im heutigen Diskurs Neutralität und Ruhe oft als Gegenpol zu Extremismus gesehen werden.
Beaver hält das für gefährlich: „Wenn die Sprache der Machthaber neutral ist, dann muss die Sprache derjenigen, die die Annahmen der Machthaber infrage stellen, extremistisch sein. Extremistische Sprache, so lautet das Argument, sei ein gefährliches Instrument der Indoktrination.“
Klare Werte
In diesem Trugschluss sieht Beaver eine Gefahr für die akademische Freiheit. „Ich möchte, dass Forscher:innen, die ihre Arbeit als Neutral verstehen, darüber nachdenken, was das wirklich bedeutet.“ Auch den öffentlichen Vertreter:innen der Hochschulen gibt Beaver eine Anregung: „Ich glaube auch nicht, dass Universitäten sich in einem kritischen Diskurs mit dem Argument der wissenschaftlichen Neutralität verteidigen sollen. Man sollte den Mut haben, zu einem klaren Wertesystem zu stehen und das auch laut zu verkünden.“
FH-Joanneum-Rektorin Corinna Engelhardt-Nowitzki ging in ihren Schlussworten auch auf das Thema Sprache ein. „Sprache ist ein Werkzeug, das uns verbindet. Sie ist die Basis eines jeden Diskurses und hilft uns als Vertreter:innen der Hochschulen bei drei wichtigen Punkten, die uns verbinden: Unsere Offenheit, die gesellschaftliche Relevanz sowie die Sichtbarmachung dessen, was unsere Institutionen auszeichnet.“
Beim anschließenden Buffet konnten sich die zahlreichen Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft untereinander austauschen. Es gab nicht nur die Möglichkeit mit den Redner:innen anregende Gespräche zu führen, denn unter den Anwesenden waren zahlreiche Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik, wie etwa Peter Granig, Rektor der FH Kärnten, Ada Pellert, Rektorin Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Martin Payer Geschäftsführer der FH Joanneum, Kristina Edlinger-Ploder, Rektorin der FH Campus02, Georg Schulz, Rektor der Kunstuniversität Graz, Andrea Kurz, Rektorin der Medizinischen Universität Graz, Peter Moser, Rektor der Montanuniversität Leoben, Beatrix Karl, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Steiermark der Grazer Stadtrat Robert Krotzer, der Leobener Bürgermeister Kurt Wallner, Herbert Beiglböck, Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Graz, die steirische Landesrätin für Verkehr, Landeshochbau, ländlicher Wegebau und Technik, Claudia Holzer und Gäste aus der Wirtschaft wie Wirtschaftskammer-Direktor Karl-Heinz Dernoschiek, Kleine-Zeitung-Geschäftsführerin Xenia Daum, Martin Schaller, Generaldirektor Raiffeisenlandesbank Steiermark , Georg List TU-Unirat und Leiter des Bereichs F&E bei AVL List, oder Alfred Heinzl oder Aufsichtsratsvorsitzender der Heinzl Group und viele mehr.
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