An einem heißen Junitag nach dem USI-Fest liegt der Rosenhain still über der Stadt. Normalerweise ist das Grazer Naherholungsgebiet ein Ort für Spaziergänge, Sport und kurze Auszeiten im Grünen. Doch an diesem Samstag ist die Ruhe durchbrochen: Rauch zieht auf, im angrenzenden Wald hat sich ein Brand rasch ausgebreitet. Das Feuer bedroht das historische Jesuitenrefektorium der Universität Graz. Im Gebäude selbst ist die Rauchentwicklung bereits deutlich spürbar. Zehn Personen gelten als vermisst.
So lautete die Annahme jener Einsatzübung, die die Freiwillige Feuerwehr Graz am Samstag, dem 20. Juni 2026, am Rosenhain durchführte. 35 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner rückten mit vier Fahrzeugen aus, um unter möglichst realitätsnahen Bedingungen den Ernstfall zu trainieren. Die Ausgangslage war anspruchsvoll: Ein Vegetationsbrand in unmittelbarer Nähe zu einem historischen Gebäude, starke Verrauchung im oberen Stockwerk, mehrere vermisste Personen und die Gefahr, dass die Flammen auf das Jesuitenrefektorium übergreifen. Genau solche komplexen Szenarien muss die Freiwillige Feuerwehr Graz regelmäßig beüben. Sie unterstützt die Grazer Berufsfeuerwehr insbesondere bei Unwetter- und Großschadensereignissen und ist damit ein wichtiger Teil des städtischen Katastrophenschutzes.
Person im Rollstuhl aus dem Dachgeschoß gerettet
Im Gebäude konzentrierten sich die Einsatzkräfte zunächst auf die Menschenrettung. Das Stiegenhaus wurde mit einem Hochleistungslüfter rauchfrei gehalten, um sichere Flucht- und Rettungswege zu schaffen. Eine Person im Rollstuhl konnte so aus dem zweiten Stock erfolgreich evakuiert werden. Parallel dazu wurde hinter dem Jesuitenrefektorium eine sogenannte Riegelstellung aufgebaut: eine taktische Löschmaßnahme, die verhindern soll, dass sich das Feuer vom angrenzenden Wald auf das Gebäude ausbreitet. Drei Löschgruppen sowie zusätzliche Ergänzungskräfte der FF Graz arbeiteten dabei eng zusammen. Nach rund einer Stunde war die Übung erfolgreich abgeschlossen.
Für die Universität Graz war der Einsatz eine wichtige Bewährungsprobe. Das Jesuitenrefektorium in der Aigner-Rollet-Allee wurde erst im vergangenen Herbst fertiggestellt und bezogen. Heute ist dort das Institut für Bewegungswissenschaften, Sport und Gesundheit untergebracht. „Die Zusammenarbeit zwischen der Freiwilligen Feuerwehr Graz und den Verantwortlichen unserer Uni funktionierte ausgezeichnet. Solche regelmäßigen gemeinsamen Übungen mit den Einsatzkräften sind uns ein besonderes Anliegen. Sie ermöglichen es, Abläufe unter realitätsnahen Bedingungen zu überprüfen, die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und wertvolle Erkenntnisse für den Ernstfall zu gewinnen. Nur durch gemeinsames Training können wir sicherstellen, im Ereignisfall rasch, koordiniert und effizient zu handeln“, betont Thomas Suchy, zentraler Brandschutzbeauftragter der Universität Graz.
Uni Graz und Einsatzorganisationen arbeiten eng zusammen
Für die Freiwillige Feuerwehr Graz zeigt die Übung aber auch, wie stark sich die Einsatzlagen verändern. Hitzeperioden, Trockenheit und Vegetationsbrände sind längst nicht mehr nur Themen südlicher Regionen, sondern auch in der steirischen Landeshauptstadt wahrscheinlich. „Die Übung hat gezeigt, worauf wir uns auch in Graz einstellen müssen: Wald- und Vegetationsbrände sind kein abstraktes Szenario mehr. Dort, wo Wald, Bebauung und historische Bausubstanz eng beieinanderliegen, braucht es eingespielte Abläufe und die richtige Ausrüstung. Wir trainieren deshalb nicht nur das Löschen, sondern das koordinierte Zusammenspiel von Menschenrettung, Entrauchung, Evakuierung und das Verhindern eines Übergreifens auf nicht betroffene Bereiche. Durch regelmäßiges Training unter realitätsnahen Bedingungen ist die Mannschaft bestens auf den Ernstfall vorbereitet – und ein verlässlicher Partner für die Berufsfeuerwehr und die Bevölkerung der Stadt Graz“, betont Andreas Grinschgl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Graz.