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Universität Graz Neuigkeiten Von Iowa nach Graz: US-Forscher fühlt „wütenden“ Algorithmen auf den Zahn

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Donnerstag, 08.01.2026

Von Iowa nach Graz: US-Forscher fühlt „wütenden“ Algorithmen auf den Zahn

Eine Person sitzt an einem hellen Tisch vor einer grauen Wand mit der Aufschrift „IDEA_lab – Das Interdisziplinäre digitale Labor der Universität Graz“. Die Person trägt ein dunkelblaues Hemd und eine gelbe Armbanduhr. Im Hintergrund sind gepolsterte Sitzbänke in Blau und ein Teil eines Durchgangs zu sehen.

Hussam Habib wechselte von der University of Iowa an die Uni Graz. Foto: Uni Graz/Angele

Der Forscher Hussam Habib untersucht wie Social-Media-Plattformen mit ihren Algorithmen Emotionen wecken, Aufmerksamkeit binden und Inhalte gezielt verbreiten. Der gebürtige Paskistani kam über ein „APART-USA“-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an die Universität Graz. Dank neuer EU-Regeln hofft der Wissenschaftler auf einen tieferen Einblick in die Mechanismen hinter YouTube, Instagram, Reddit und Co.

Von menschlichen Interaktionen über Mode, Möbel oder Reisen bis zur politischen Debatte: Soziale Medien durchdringen inzwischen zahlreiche Bereiche des Lebens. Dabei verfolgen die unterschiedlichen Plattformen stets dasselbe Geschäftsmodell: Sie vermarkten die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer:innen an Werbetreibende und je länger diese scrollen, desto mehr Umsatz machen die Unternehmen. 

Welche Strategien sie dabei verwenden und welche Folgen das mit sich bringt, erforscht Hussam Habib. Durch seine Forschung an der University of Iowa wurde er zu einem regelrechten Algorithmus-Detektiv. Über das APART-USA-Programm der Österreichischen Akademie für Wissenschaften wechselte er im Oktober an die Universität Graz. Neben der schwierigen politischen Lage für Forschende in den Vereinigten Staaten gab es für ihn einen zweiten Grund, nach Österreich zu kommen: Dank strengerer EU-Regularien können Wissenschaftler:innen hierzulande den Tech-Giganten genauer auf die Finger schauen. 

„In den USA bestand ein Großteil meiner Arbeit darin, zu verstehen, wie die Algorithmen der Plattformen funktionieren“, erklärt Habib. Doch da diese geheim sind, konnte er das nur mit sogenannten Sockenpuppen-Accounts, also Fake-Profilen erforschen. In Europa verpflichtet der Digital Services Act die Social-Media-Konzerne aber dazu, Wissenschaftler:innen Zugang zu den Algorithmen zu geben. „Die Tech-Konzerne werden sich vermutlich wehren, aber hier in Europa haben wir wenigstens eine rechtliche Basis.“ 

Social-Media-Persönlichkeiten

Habib plant, mit seiner Arbeit im IDea_Lab der Uni Graz an seine Forschungen in den USA anzuknüpfen. Dort verfolgte er einen ungewöhnlichen Ansatz: Er gab den unterschiedlichen Social-Media-Algorithmen eine Art „Persönlichkeit“, und fand heraus, dass YouTube eine aggressive und extrem reaktive Persönlichkeit habe, die sehr stark auf Likes und Views reagiert. Der Mikroblogging-Dienst X, vormals Twitter, priorisiere den Aufbau eines Netzwerks. Wer wem folgt, zählt oft mehr als der einzelne Post. Die Persönlichkeit der Community-Plattform Reddit agiert wiederum als Kurator. Für den Algorithmus zählt, welchen Communitys, welchen Subreddits die Nutzer beitreten. 

Dabei zeigte sich dennoch eine Gemeinsamkeit: „Wut und Negativität funktionieren in allen sozialen Netzwerken am besten“, sagt Habib. „Menschen beschäftigen sich länger mit Inhalten, die sie emotional aufregen. Deshalb ist es für Content-Creator:innen erfolgreicher, wenn sie kontroverse oder negative Posts generieren.“

Habib will den wirksamen Zugang zu den Geheimnissen der Algorithmen in der EU nun nutzen, um herauszufinden: Warum bekommen bestimmte Inhalte viel Reichweite? Welche Geschichten werden von den Algorithmen an viele Nutzer:innen ausgespielt und welche nicht? „Wenn wir grundlegend verstehen, wie sich gewisse Inhalte auf den Plattformen weiterverbreiten, können wir gezielt reagieren“, erklärt der Forscher. Vielleicht trägt seine Forschung dazu bei, politischen Entscheidungsträger:innen und vielleicht sogar den Entwickler:innen dieser Plattformen zu helfen, die Social-Media-Angebote zu verbessern und mehr Vielfalt in den gezeigten Inhalten zu ermöglichen.

Micro-Degree

Übrigens: Studierende der Universität Graz erhalten mit dem Micro-Degree „KI und Gesellschaft“ einen ganzheitlichen Einblick in Funktion und Herausforderungen von KI-Systemen, offen für alle Bachelor-Student:innen. Wer tiefer in diese Materie eintauchen will, kann sich für das Masterstudium Data Science einschreiben. 

Erstellt von Roman Vilgut

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