Alfred Gutschelhofer war Pionier. Eine der zentralen Aufgaben seiner Amtszeit als Rektor war die Umsetzung der neuen universitären Autonomie im Rahmen des Universitätsgesetzes 2002. Dafür mussten Führungsinstrumente aufgebaut, Verantwortlichkeiten neu geordnet und zeitgemäße Organisationsstrukturen geschaffen werden. „Wer mehr Freiheit erhält, muss auch mehr Verantwortung übernehmen. Entscheidend ist, ob dieses Grundmodell stark genug für die Herausforderungen von morgen ist. Dafür müssen Universitäten noch stärker nach außen gehen“, betonte er. Im Rahmen eines feierlichen Symposiums am 9. Oktober verabschiedete sich der Wirtschaftswissenschaftler in den wohlverdienten Ruhestand. „Einer seiner größten Verdienste war die Überführung der Universität Graz in eine neue Epoche. Von der Tradition weg in ein neues Zeitalter. Die Universität als Lebenspartnerin mit einer klaren gesellschaftlichen Rolle“, würdigte Uni-Graz-Rektor Peter Riedler Alfred Gutschelhofer in seinen Grußworten.
Wie aktuell dieser Anspruch ist, zeigte auch die Keynote von Christoph Badelt, dem amtierenden Präsidenten des österreichischen Fiskalrates und ehemaligem Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien. Gerade angesichts der Debatte über die Finanzierung öffentlicher Leistungen und notwendige Zukunftsinvestitionen, auch im tertiären Bildungssektor, ist dieser Austausch besonders relevant.
“Unis stehen im Wettbewerb”
Badelt ließ in seiner Keynote mit einigen Aussagen aufhorchen. Der Präsident des Fiskalrates betonte, dass sich an den Universitäten jedenfalls etwas ändern müsse. Diese stünden zunehmend im Wettbewerb um Ressourcen und Köpfe und müssten sich auf einen notwendigen Konsolidierungskurs einstellen. Daran führe kein Weg vorbei. Gleichzeitig gelte es, ihren Versorgungsauftrag zu erfüllen und auf die wachsenden Aufgaben und Herausforderungen zu reagieren, die auf die Menschen in Europa und der Welt zukommen. Darin lägen jedoch nicht nur Belastungen, sondern auch Chancen für die Universitäten.
Neben den Wegbegleitern gratulierten auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Hochschulwelt. Unter den geladenen Gästen waren unter anderen Landesrätin a. D. Kristina Edlinger-Ploder, Rektorin und Geschäftsführerin der FH Campus 02, TU-Graz-Rektor Horst Bischof, Andrea Kurz, Rektorin der Medizinischen Universität Graz, sowie die früheren Rektoren der Universität Graz Christian Brünner, Helmut Konrad, Wolf Rauch, sowie Altrektor der Meduni Graz Josef Smolle und die Altrektoren der TU Graz Harald Kainz und Hans Sünkel. Aus der Politik nahmen weiters der frühere steirische Landeshauptmann Christopher Drexler, der ehemalige Bundesminister Martin Polaschek, der frühere hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundesministerin a. D. Beatrix Karl und die Grazer Stadträtin Claudia Unger teil.
Internationalisierung der Studien, Kooperationen am Standort
Auch in Studium und Lehre waren die Jahre unter Gutschelhofers Leitung von tiefgreifenden Veränderungen geprägt. Unter ihm setzte die Universität Graz den Bologna-Prozess um und stellte sich damit auf die neuen europäischen Studienstrukturen ein. Ferner entstanden neue organisatorische Einheiten, darunter die Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftliche Fakultät sowie die sogenannte 7. Fakultät. Gleichzeitig wurde die Medizinische Fakultät in einem konsensualen Prozess ausgegliedert und firmiert seit 2004 als eigenständige Universität.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg. Mit NAWI Graz wurde ein viel beachtetes Kooperationsprojekt aufgebaut, das mit dem Graz Center of Physics eine architektonische Sichtbarkeit erhält. Ebenso entstand mit der UNI for LIFE Weiterbildungs GmbH eine Einrichtung, die das universitäre Weiterbildungsangebot weiterentwickelte.