Will man Kinder in Betreuungseinrichtungen gut fördern und unterstützen, führt an den Eltern kein Weg vorbei. „Den prägendsten Einfluss auf die Kinder hat die Familie. Nur wenn sie mitgedacht und einbezogen wird, können die Institutionen ihre Wirkung voll entfalten“, weiß Theresia Hummel, seit April 2026 Professorin für Elementarpädagogik an der Universität Graz. Allerdings gibt es noch wenig Tipps und Methoden, wie man das theoretische Wissen um die Bedeutung der Beziehung im stressigen Praxis-Alltag sinnvoll umsetzen kann. Genau das möchte die Forscherin ändern.
Sogenannte Tür-und-Angel-Gespräche sind ein unterschätztes Werkzeug dafür. „Sie generieren Vertrauen. Und die wenigen Minuten, die Betreuer:innen den Mamas und Papas widmen, fördern letztlich auch die Beziehung zu den Kindern.“ Das hat eine ihrer Studien ergeben.
Haben Eltern Vorbehalte den Einrichtungen gegenüber, leidet auch das Verhältnis zu den Kleinen. Wie Pädagog:innen mit solchen Situationen professionell umgehen und den Erziehungsberechtigten mehr Teilhabe am Alltag in der Institution ermöglichen, ist der Inhalt einer von Hummel eigens entwickelten Fortbildung.
Teambuilding und Leadership-Verhalten sind weitere Schwerpunkte, denen sich die Forscherin widmet. „Das Team hat wesentlichen Einfluss auf das Stressempfinden der Pädagog:innen. Es kann Druck abfedern oder als Verstärker fungieren“, schildert die Forscherin. Und hat damit wieder direkte Auswirkungen auf die Kinder: „Nicht umsonst sind Interaktion und Beziehungen unter Erwachsenen ein Qualitätsmerkmal von Einrichtungen“, unterstreicht Hummel. Ein an ihrer vorherigen Stelle an der deutschen Universität Bamberg entwickeltes Programm zur Gesundheitsvorsorge will die Forscherin möglichst rasch breit ausrollen und evaluieren: „Mir ist wichtig, dass meine Arbeit in der Praxis ankommt und den Alltag erleichtert.“
Die Welten verbinden
Theresia Hummel hat an der Freien Universität Berlin in Erziehungswissenschaften promoviert und im Zuge diverser Praktika bzw. als Springerin in Krippen und Tagesstätten ihre Liebe zur elementarpädagogischen Forschung entdeckt. In den Einrichtungen zu hospitieren und die Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu überwachen, ist ihr ein besonderes Anliegen: „Der Kindergarten verändert sich so schnell wie die Gesellschaft selbst, da muss ich am Ball bleiben.“ Dass sie an der Uni Graz, die sie schon als Gastprofessorin kennengelernt hat, nicht nur forschen, sondern auch angehende Pädagog:innen unterrichten kann, sieht sie als besondere Chance: „Ich bin begeistert, dass es hier sowohl den Arbeitsbereich als auch das Studium der Elementarpädagogik gibt. Deshalb habe ich mich sofort für die Stelle beworben.“