Der Themenstoff von Alexandra Fukaris und Sandro Kellers Lehrveranstaltungen kann unterschiedlicher nicht sein, dennoch verbindet die Translationswissenschaftlerin und den Biophysiker eines: der Spaß am Unterrichten. Für diese Gemeinsamkeit und den Erfolg ihrer Methodik wurden sie am 5. November mit den Lehrpreisen der Universität Graz des Studienjahres 2025/2026 ausgezeichnet.
„Ich habe einfach unterrichtet, so wie ich es seit Jahrzehnten mache“, meint Alexandra Fukari. Bei ihrer Lehrveranstaltung „Französisch: Translatorische Basiskompetenzen 2c“ am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft stehen neben der Erweiterung und Vertiefung der transkulturellen Kommunikationskompetenzen zwischen Französisch und Deutsch, dem Übersetzen und Dolmetschen zwischen diesen beiden Sprachen, auch selbstständiges Lernen und die Zusammenarbeit im Team im Mittelpunkt. „Die Studierenden sollen gern kommen und für sich etwas mitnehmen“, führt Fukari aus. Ein Vorteil der Übung ist die überschaubare Teilnehmer:innen-Zahl: „Zehn bis 15 Personen, mehr sind es nicht.“ Das schaffe eine Atmosphäre, um auch mit gesellschaftlichen Fragen zu Diversität und Inklusion in einen Diskurs zu treten.
Naturwissenschaftliches Handwerkzeug
Einen ganz anderen Ausgangspunkt hat Sandro Keller vom Institut für Molekulare Biowissenschaften. Seine Pflichtvorlesung „Physikalische Chemie für Studierende der Molekularbiologie“ besuchten im vergangenen Studienjahr 236 Studierende. „Um die Prozesse des Lebens auf molekularer Ebene verstehen zu können, braucht es Chemie und Physik als Handwerkzeuge“, betont der Uni-Graz-Forscher. Physikalische Chemie wird von vielen Studierenden zunächst als „Angstfach“ wahrgenommen. „Ich halte diese Vorlesung seit über zehn Jahren. Und nach jeder Einheit mache ich mir Notizen, was ich besser machen könnte.“ So entstand mit der Zeit eine Erfolgsformel: Keller setzt bei der Vermittlung des Stoffes auf klare Strukturen, verständliche Erklärungen, Humor und konkrete Bezüge zu Forschung und Lebenswelt. „Ich versuche die Studierenden dort abzuholen, wo sie stehen“, führt er aus. Abstrakte Modelle werden etwa mit echten Daten aus dem Labor, aktuellen Fragestellungen oder Beispielen aus Fernsehserien verknüpft. Alle Lehrveranstaltungseinheiten werden zudem gestreamt und aufgezeichnet, Materialien frühzeitig digital bereitgestellt und mehrere Prüfungstermine angeboten.
Nur wer Fehler macht, lernt auch dazu!
Fehler gehören zum Lernerfolg dazu, da sind sich die beiden Lehrenden ebenfalls einig. Beim gemeinsamen Sprechen in der Gruppe oder Rechnen an der Tafel sind Studierende aufgefordert, mitzudenken, nachzufragen und auch die Lehrenden auf Fehler aufmerksam zu machen. „Selbst falsche Lösungswege werden genutzt, um zu zeigen, wie man sich aus einer gedanklichen Sackgasse wieder herausarbeiten kann“, weiß der Biophysiker zu berichten. Dass dieser Zugang Studierende motiviert, zeigt auch die starke Nachfrage nach dem freiwilligen Begleit-Freifach „Biophysikalische Chemie“: Im vergangenen Semester nahmen mehr als zwei Drittel der 236 Studierenden daran teil. Alexandra Fukari berücksichtigt außerdem noch bewusst unterschiedliche Lebenssituationen: Online-Teilnahme, flexibel vereinbarte Einheiten und Prüfungstermine sollen das Studium etwa mit Beruf oder Betreuungspflichten besser vereinbar machen. Auch die psychische Gesundheit ist Teil ihres Lehrverständnisses. Leistungsdruck soll reduziert werden, ohne dabei die fachlichen Lernziele aus den Augen zu verlieren.