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Universität Graz Neuigkeiten Landliebe

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Mittwoch, 02.03.2016

Landliebe

Die ländliche Idylle trügt: Für die schwere Arbeit am Hof begeistern sich immer weniger Frauen. Diese sind aber im Schnitt zufriedener als andere Berufstätige. Foto: Fotolia.com/Edler von Rabenstein ©Edler von Rabenstein
©Edler von Rabenstein

Die ländliche Idylle trügt: Für die schwere Arbeit am Hof begeistern sich immer weniger Frauen. Diese sind aber im Schnitt zufriedener als andere Berufstätige. Foto: Fotolia.com/Edler von Rabenstein

SoziologInnen der Uni Graz untersuchen erstmals bäuerliche Lebenswelten in Österreich

„Bauer sucht Frau“ und ähnliche TV-Formate locken die Massen vor den Bildschirm. Die ländliche Idylle und das Häuschen im Grünen werden von vielen herbeigesehnt. Wie es sich als Bäuerin und Bauer in Österreich tatsächlich lebt, welchen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen sich der Berufsstand stellen muss, war universitär bis dato allerdings kaum erforscht. „Das ist erstaunlich, denn bei uns arbeiten nach wie vor rund fünf Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in der Landwirtschaft – haupt- oder nebenberuflich“, weiß Ao.Univ.-Prof. Dr. Franz Höllinger vom Institut für Soziologie der Uni Graz. Er leitet das Projekt „Bäuerliche Lebenswelten“, das sich erstmals mit den starken Veränderungen dieses Berufsstandes auseinandersetzt.
„Nur ein Großbetrieb kann heute noch rein von seinen Produkten leben“, hat der Wissenschafter festgestellt. Kleinbauern sehen sich gezwungen, neue Bereiche zu erschließen, etwa Ab-Hof-Verbrauch, Bio-Produkte, Urlaub am Bauernhof oder den eigenen Buschenschank. „Durch die wirtschaftlichen Veränderungen mussten sie ständig kreativ reagieren und – teilweise mehrmals – ihr Betriebskonzept und ihre Vermarktung umstellen“, so Höllinger. Gerechtere Preise und KonsumentInnen, die wieder größeren Wert auf regionale Produkte legen, sind daher einhellige Wünsche aller Befragten.

Starke Familienbande
Ein Schwerpunkt des Forschungsprojekts beleuchtet das Zusammenleben und die Arbeitsteilung am Hof. „Die Dreigenerationen-Familie ist nach wie vor üblich und wird von den meisten Befragten positiv bewertet“, fasst der Experte zusammen. Allerdings geht der Trend immer stärker zu getrennten Wohnbereichen oder überhaupt separaten Häusern. Auch wird von den Kindern nicht mehr zwangsläufig erwartet, dass eines den Hof übernimmt. Die traditionelle Arbeitsaufteilung – der Mann geht einem Beruf nach und kümmert sich daneben um die Feld- und Forstarbeit, während die Frau die Verarbeitung der Milch, Haushalt und Garten übernimmmt – ist auch anno 2016 weit verbreitet. „Aus ganz pragmatischen Gründen ist das eine sinnvolle Lösung, mit der die Beteiligten zufrieden sind“, weiß Höllinger. Marketing und Buchhaltung sind – anders als früher – egalitär aufgeteilt, finanzielle Entscheidungen werden in der Regel ebenfalls gemeinsam getroffen.
Allerdings: „‚Bauer sucht Frau‘ ist kein erfundenes Sendeformat – es gibt nicht mehr viele, die bereit sind, sich auf das Abenteuer Landleben einzulassen, insbesondere wenn sie aus einem anderen Umfeld kommen“, hat der Soziologie erfahren.

Details zum Projekt in der aktuellen Ausgabe der UNIZEIT

Erstellt von Dagmar Eklaude

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