„Vor allem in den vergangenen Jahren sind große Mengen an Titandioxid (TiO2) und Glyphosat in die Umwelt gelangt“, schildert Biologie-Doktorandin Danae Nyckees. Insbesondere die chemische Verbindung TiO2, die in Sonnencremes, Lotionen und Zahnpasta, aber auch in Lacken enthalten ist, bahnt sich seinen Weg übers Abwasser sowie nicht richtig entsorgten Müll als Nanopartikel in die Natur. Wie sich der Schadstoff auf Insekten auswirkt, hat ein Team aus Biolog:innen und Chemiker:innen der Uni Graz am Beispiel der Ameisen-Art Cardiocondyla Obscurior untersucht.
Die Tiere, die sowohl in den Tropen als auch in Europa anzutreffen sind, nehmen winzige Teilchen der Substanz über die Nahrung auf. „Sie beeinflussen Mikroorganismen im Darm negativ“, bestätigt Dalial Freitak, Leiterin der Forschungsgruppe Insektengesundheit an der Uni Graz. Titandioxid beeinträchtigt auch die Anzahl des Nachwuchses und kann möglicherweise Effekte des Herbizids Glyphosat verstärken, ergänzt Danae Nyckees.
„Schadstoffe müssen nicht immer gleich die Sterblichkeitsrate erhöhen“, verweisen Freitak und Nyckees auf die Langzeitfolgen von Umweltgiften. Und nicht nur dazu seien weitere Untersuchungen notwendig. „Wir wissen viel zu wenig über die Wechselwirkungen schädlicher Stoffe“, betonen die beiden Wissenschaftlerinnen.
Die Studie wurde in enger Kooperation mit Reinhard Sittinger sowie Raquel Gonzalez de Vega und David Clases vom Institut für Chemie der Uni Graz durchgeführt und kürzlich im Fachjournal „Environmental Science and Pollution Research“ veröffentlicht.