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Universität Graz Neuigkeiten Im Job angekommen

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Montag, 17.06.2019

Im Job angekommen

Omar Owied ist aus Syrien geflüchtet. Bei den ersten Schritten am Arbeitsmarkt hat ihn ein Netzwerk von Freiwilligen unterstützt. Foto: Uni Graz/cp-pictures ©cp-pictures

Omar Owied ist aus Syrien geflüchtet. Bei den ersten Schritten am Arbeitsmarkt hat ihn ein Netzwerk von Freiwilligen unterstützt. Foto: Uni Graz/cp-pictures

Uni-Graz-Forscherin untersucht Integration von Geflüchteten am Arbeitsmarkt

Die große Fluchtbewegung von 2015 ist längst abgeebbt, so manche Herausforderung bleibt jedoch zu meistern. So brauchen beispielsweise Schutzsuchende mit Aufenthaltstitel eine dauerhafte und adäquate Arbeitsstelle. Welche Jobs sie gefunden haben, wie sehr sie sich dort wohlfühlen und wie die Unternehmen die Situation sehen, hat Renate Ortlieb erforscht. Die Leiterin des Instituts für Personalpolitik der Universität Graz hat mit ihrem Team außerdem ein Konzept für Betriebe ausgearbeitet, das die Integration erleichtert.

Die Studie ist die erste und umfassendste dieser Art. „Alle bisherigen Untersuchungen weltweit fokussieren darauf, wie Geflüchtete einen Job finden. Wie es ihnen und ihrem Umfeld dort geht, ist aber ebenso relevant für weitere erfolgreiche Vermittlungen“, unterstreicht Ortlieb. Es gilt, längerfristige und zufriedenstellende Beschäftigungen zu finden, damit die Betroffenen nicht nach wenigen Monaten wieder beim AMS anklopfen müssen. „Dazu braucht es ebenfalls ein Umdenken seitens der Betriebe“, so die Wissenschafterin. Mehr Flexibilität würde auch Frauen nach längerer Kinderbetreuung oder älteren Personen den Zugang zu einer Stelle erleichtern.
Laut der aktuellen Befragung kann etwa ein Viertel der Schutzberechtigten die eigenen Qualifikationen gut nutzen und hat eine besser honorierte, längerfristige Anstellung. „Allerdings liegt das Lohnniveau bei Geflüchteten rund 500 Euro unter dem monatlichen Durchschnittsgehalt in Österreich“, betont Ortlieb. Weitere 25 Prozent fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz wohl und können sich gut weiterentwickeln, werden allerdings schlecht bezahlt. Rund ein Viertel empfindet sich als ausgebeutet, macht unqualifizierte und oft auch gesundheitsgefährdende Jobs für wenig Geld.

Nötige Brücke
Im Regelfall haben Menschen aus Afghanistan oder Syrien keine bei uns anerkannten Ausbildungszertifikate. Das AMS bescheinigt anhand Kompetenzchecks ihre Qualifikationen und unterstützt damit wesentlich die Jobsuche. Besonders wichtig sind aber Privatpersonen oder NGO-MitarbeiterInnen, die persönliche Kontakte zu Firmen herstellen und Praktika oder Schnuppergelegenheiten vermitteln. „Über diesen Weg gelangten wesentlich mehr Geflüchtete zu einer Anstellung als über bei uns übliche formale Bewerbungsverfahren“, hat die Studienleiterin festgestellt. PatInnen oder MentorInnen tragen außer wesentlich zur Integration der neuen MitarbeiterInnen in das Unternehmen bei. „Ihre Rolle soll zum Wohle aller unbedingt gestärkt werden“, betont Ortlieb.
Anstellung finden Schutzberechtigte vor allem in Mangelberufen. Dort setzen sich viele Vorgesetzte und die direkten KollegInnen persönlich für sie ein. Ihr kultureller Hintergrund wird allerdings in den seltensten Fällen als Vorteil angesehen. „Die ArbeitgeberInnen könnten die Kompetenzen der Geflüchteten noch besser nutzen. Zum Beispiel sind die Personen aus dem Nahen Osten oftmals sehr gut untereinander vernetzt, das kann auch im Unternehmen helfen“, so Ortlieb. Weiters ist der Konsum von Alkohol in vielen Produktionsbetrieben ein Problem, das MuslimInnen im Regelfall nicht betrifft.
 
Zu gut gemeint
Mangelt es in vielen Firmen an Verständnis für die kulturellen Eigenheiten, stehen auch jene Geflüchteten, die sozial sehr gut integriert sind, häufig unter Druck. „Sie werden oft überschwänglich gelobt, gleichzeitig erwartet man von ihnen Assimilation. Sie sollen steirisch reden und gute, nach Möglichkeit sogar bessere ÖsterreicherInnen sein“, schildert die Wissenschafterin. Wichtig wäre es, dass KollegInnen und Vorgesetzte das Anderssein anerkennen und die Vielfalt wertschätzen – das verringert generell das Konfliktpotenzial im Unternehmen, auch unter Einheimischen.
Um schwelende Unzufriedenheiten zu beseitigen und die Teamentwicklung zu fördern, hat Ortlieb ein Tool erarbeitet, das in Betrieben rasch und leicht umsetzbar ist. „Schulter an Schulter mit KollegInnen zu arbeiten, in andere Bereiche hineinzuschnuppern und Mitarbeitergespräche zu führen, in denen das Thema Migration offen angesprochen wird, sind effektive Maßnahmen“, beschreibt die Personalpolitikerin. Das Konzept hilft allgemein, die Strukturen und die Zusammenarbeit in den Unternehmen zu verbessern, nicht nur mit Personen aus anderen Kulturen. „Es geht darum, Kompetenzen zu erkennen, zu erweitern und zu nutzen“, fasst die Wissenschafterin zusammen

 

Erstellt von Dagmar Eklaude

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