Die letzten Tage haben eine kurze Verschnaufpause gebracht, doch der Sommer nimmt wieder Fahrt auf. Und in vielen schlecht isolierten Wohnungen oder solchen im Dachgeschoß hat es kaum abgekühlt. Wie gut sich die Bewohner:innen gegen die Hitze schützen können, hängt wesentlich von ihrem Einkommen und ihrem Gesundheitszustand ab. Die öffentliche Hand muss alle Bedürfnisse im Auge behalten, fordert Eva Preinfalk.
„Mehr Bäume, entsiegelte Plätze oder zusätzliche Wasserflächen sorgen nicht nur an Hitzetagen für angenehmere Aufenthaltsorte. Sie verbessern das Stadtklima das ganze Jahr über und schaffen wertvolle Erholungsflächen für die Bevölkerung“, nennt sie mögliche Maßnahmen. Freilich helfen sie nur jenen, die ihr Zuhause verlassen können. Für mobilitätseingeschränkte Personen und im sozialen Wohnbau müsse auf bessere Dämmung geachtet werden: „Das schützt nicht nur die Gesundheit, sondern senkt auch den Energieverbrauch.“ Mobile Pflegedienste und Nachbarschaftsnetzwerke, die auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr und sinnvolles Lüften bzw. Verdunkeln achten, wären eine weitere, rasch organisierbare Unterstützung. „Auch Wohnungslose dürfen nicht vergessen werden“, mahnt Preinfalk. Die Bahnhofsmission der Caritas bietet ihnen in Graz beispielsweise einen kühlen Rückzugsort, Getränke und Mahlzeiten an.
Betroffene Berufe
„Wer am Bau arbeitet, in der Pflege, Gastronomie oder im Lieferdienst, kann sich während einer Hitzewelle nicht einfach zurückziehen. Deshalb braucht es strukturelle Lösungen: kühlere Orte, mehr Schatten, angepasste Arbeitszeiten und leicht zugängliche Möglichkeiten zur Abkühlung“, beschreibt die Forscherin. Die Klimaanpassung sei aber nicht nur eine Frage der Stadtplanung: „Wenn mehr Menschen Unterstützung benötigen und gleichzeitig das ohnehin knappe Pflegepersonal unter extremer Hitze arbeitet, braucht es eine bessere Ausstattung und angepasste Einsatzkonzepte.“
Eva Preinfalk forscht am Wegener Center der Uni Graz unter anderem zu staatlichen Investitionen zur Klimawandelanpassung >> mehr dazu in der Unizeit. Wie Städte - nicht nur im Sommer - lebenswert bleiben, untersucht auch Geographin Anke Strüver >> dazu ebenfalls ein Unizeit-Artikel.