Yannis Hadjinicolaou: Die globale Kunst der Falknerei
Sowohl die Kunst- als auch die Kulturgeschichte haben die politische Ikonologie und Kulturtechnik der Falknerei bislang weitgehend vernachlässigt. In den letzten Jahren beginnt sich dies jedoch zu ändern, da die Falknerei zunehmend als ein Feld erkannt wird, in dem sich Fragen nach Herrschaft, Bewegung, Wissenstransfer sowie den Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Dingen verdichten. Der Vortrag untersucht, wie Darstellungen der Falknerei und die Vögel selbst Vorstellungen von Herrschaft und politischer Macht geprägt haben. Ausgehend von Bildern und Praktiken der Falknerei wird gezeigt, wie deren spezifische Techniken dazu beitragen können, die visuelle und politische Wirksamkeit dieser „Kunst“ zu verstehen.
Im Zentrum steht dabei die Vorstellung von Bewegung, die im Rückgriff auf Aby Warburgs Konzept des „Bilderfahrzeugs“ untersucht wird. Besonders die sogenannten Federspiele bieten ein anschauliches Beispiel für Instrumente und Bilder, die durch ihre technische Handhabung in Bewegung versetzt werden und zugleich metaphorische Vorstellungen politischer Macht evozieren.
Die Kunst der Falknerei erweist sich somit als eine ästhetische Praxis, die weit über Jagd, Sport und politische Repräsentation hinausgeht. Sie verbindet Körper, Tiere, Bilder und technische Verfahren zu einer spezifischen Form politischer und visueller Praxis. Der Vortrag konzentriert sich dabei unter anderem auf den Hofmaler Cornelis Gijsbrechts und seine Beziehung zu Christian V. in Kopenhagen.