Termin: 06.05.2026, 16:30-18:00 Uhr: “Steirische Sportspektakel”, Ass.-Prof. Dr.phil. Mag. Johannes Gießauf, Universität Graz
Das Messen von Kraft, Geschicklichkeit und Körperbeherrschung zählt nicht nur zu den ältesten Betätigungen des Menschen, sondern scheint – zumindest in den für Historiker*innen quellentechnisch fassbaren Gemeinschaften unserer Spezies – seit der Frühzeit auch erkleckliche Zuschauermengen begeistert zu haben. Lange bevor der regelbasierte Sportbegriff des 19. Jahrhunderts diesem Phänomen einen terminologischen Überbau zu geben versuchte, zogen unterschiedlichste Wettkampfformen Besuchermassen in ihren Bann, die veritable Spektakel zu sehen wünschten und bekamen. Der Bogen der auf das Gebiet der heutigen Steiermark fokussierenden Betrachtungen spannt sich dabei von den Veranstaltungen in den römerzeitlichen Amphitheatern über adelige Turniere und Frühformen der Ballspiele bis hin zu Rad- und ersten Automobilwettfahrten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, um bei Motorsport-Großveranstaltungen und (eher utopischen) Champions League-Phantasien des lokalen Fußballs zu enden.
Die Vorlesung wirft einen facettenreichen Blick auf das Phänomen theatraler (Re-)Präsentation im steirisch-innerösterreichischen Geschichtsraum über zwei Jahrtausende. Reale Theatergebäude – das antike Amphitheater in Flavia Solva ebenso wie das italienische Opernhaus am Tummelplatz oder das 1776 (!) eröffnete Schauspielhaus – sollen dabei ebenso vorgestellt werden wie bemerkenswerte Aufführungen (etwa ‚Orfeo ed Euridice‘ des Hofkapellmeisters Johann Josef Fux) oder konkrete Bühnenstars (wie Johann Nestroy, der vor 200 Jahren seine Karriere als Komiker in Graz begann). Der Theaterbegriff soll aber nicht nur gegenständlich, sondern auch metaphorisch-systemisch erfahrbar werden: als Chiffre für berühmte Sammelunternehmen (wie das ‚Theatrum orbis terrarum‘) oder auch als Umschreibung für ‚theatrale‘ Inszenierung in verschiedenen Feldern. Dementsprechend werden auch kartographische Repräsentationen der Steiermark, Gerichts- und Sportspektakel oder Inszenierungen von Glaubensritualen, politischer Macht und Weiblichkeit u.a.m. ihren Platz finden.