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Universität Graz Neuigkeiten Zellen unter Stress

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Freitag, 20.03.2015

Zellen unter Stress

Valery Bochkov erforscht, wie schädliche Entzündungsprozesse gehemmt werden können. Foto: Furgler.

Valery Bochkov erforscht, wie schädliche Entzündungsprozesse gehemmt werden können. Foto: Furgler.

Valery Bochkov erforscht, wie schädliche Entzündungsprozesse gehemmt werden können

Wer das Wort „Entzündung“ hört, denkt meistens an schmerzhafte Erkrankungen und potenzielle gesundheitliche Gefahren. Dabei erfüllen diese Abläufe eine wichtige Funktion: „Sie sind Schlüsselprozesse in der Selbstverteidigung des Körpers gegen Mikroorganismen oder Verletzungen. Ohne Entzündungen könnten wir nicht überleben“, unterstreicht Univ.-Prof. Dr. Valery Bochkov vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Uni Graz. Wenn diese Abwehrreaktionen jedoch chronisch werden, können sie zahlreiche Folgeerkrankungen mit sich ziehen und eine große Belastung für den gesamten Organismus darstellen. Was sich bei Entzündungsprozessen auf molekularer Ebene genau abspielt beziehungsweise welche Faktoren ihren Verlauf hemmen oder begünstigen können, ist daher Gegenstand der Forschungen von Valery Bochkov. Der gebürtige Russe ist seit 1. August 2014 Professor an der Karl-Franzens-Universität Graz.


Besondere Aufmerksamkeit legt der Wissenschafter in seinen Forschungen auf den zellulären oxidativen Stress. Darunter versteht man eine Überbelastung von Zellen mit reaktiven Sauerstoffverbindungen. Dieser fortlaufende Angriff kann zu Entstehung von Krankheiten beitragen: Paradebeispiel hierfür ist die Atherosklerose, bei der sich die Arterien charakteristischerweise „verhärten“. Eine wichtige Rolle bei der Genese dieser Krankheit spielen oxidierte Lipide, und insbesondere oxidierte Phospholipide. Das sind Bestandteile von Zellmembranen und Lipoproteinen, die nach ihrer Oxidation toxisch auf vaskuläre Zellen wirken. Und: Sie können Entzündungen auslösen, die mitunter aus dem Ruder laufen und zu Dauerzuständen werden können. „In solchen Fällen möchten wir den Prozess natürlich stoppen. Gleichzeitig soll der Körper aber weiterhin selbst Abwehrreaktionen über Entzündungen steuern können“, schildert Bochkov die Ausgangslage. „Was wir brauchen, ist eine Lösung, die zwischen ‚guter‘ und ‚böser‘ Entzündung unterscheiden kann.“


Diese zu finden ist nicht ganz so utopisch, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint, stellt der Experte klar. Denn: Oxidierte Phospholipide verursachen Entzündungen durch die Signalmechanismen, die sich von den Wirkungsmechanismen von inflammatorischen Zytokinen wesentlich unterscheiden. „Nun versuchen wir genau jene Proteine, die diese proinflammatorischen Signale der oxidierten Phospholipide übermitteln, zu identifizieren. Darauf aufbauend könnten eines Tages Medikamente entwickelt werden, die das schädliche Potenzial oxidierter Lipide auf vaskuläre Zellen hemmen“, erklärt Bochkov. Tatsächlich konnten die WissenschafterInnen aus seiner Arbeitsgruppe schon feststellen, dass gewisse synthetische Verbindungen imstande sind, die von oxidativem Stress und Tabakrauch hervorgerufenen entzündliche Reaktionen in Gefäßzellen zu hemmen ohne dabei die Wirkung der Zytokine, die notwendig sind um den Körper vor Infektionen zu schützen, zu stören.


Die Möglichkeit, in Graz mit erstklassigen PharmazeutInnen zusammenzuarbeiten, schätzt Bochkov sehr hoch ein: „So können wir darauf hoffen, ein biologisches Prinzip in nicht allzu ferner Zukunft in eine tatsächliche Anwendung, die uns vor den negativen Konsequenzen des oxidativen Stress schützt, umzuwandeln.“ Inspiration für dieses Vorhaben schöpft der Forscher auch aus Kooperationen mit PflanzenchemikerInnen am selben Institut: „Wir haben bereits hunderte Pflanzen getestet und einige Dutzend daraus extrahierte Substanzen gefunden, die Entzündungen hemmen und Gefäßwandzellen vor Stressfaktoren schützen. Unsere nächste Aufgabe besteht darin zu verstehen, wie sie funktionieren und ob sie als experimentelle Therapie gegen Erkrankungen der Herzkreislaufsystem eingesetzt werden können.“


Bochkov begann seine Karriere als klinischer Biochemiker am Cardiology Research Center in Moskau, wo er bereits einen Schwerpunkt auf die molekularen Mechanismen von kardiovaskulären Erkrankungen legte. Nach einigen Aufenthalten in Basel zog der heute 51-Jährige im Jahr 2000 nach Wien, um an der Medizinischen Universität seine Forschungen im Bereich der Gefäßbiologie fortzusetzen. Nach 14 Jahren in der österreichischen Hauptstadt ist Graz nun die nächste Station des Wissenschafters.

Erstellt von Gerhild Kastrun

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