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Universität Graz Neuigkeiten Wortgewitter

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Montag, 12.09.2022

Wortgewitter

Sind den Dichtern der Antike auf der Spur: Markus Hafner, Ursula Gärtner und Christopher Londa. Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos ©Uni Graz/Tzivanopoulos

Sind den Dichtern der Antike auf der Spur: Markus Hafner, Ursula Gärtner und Christopher Londa. Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos

Der Shitstorm ist kein Phänomen der modernen Welt. Schon antike Autoren lieferten sich Wortgefechte unterhalb der Gürtellinie

Der Schriftsteller Joseph Roth schrieb über Stephan George, es sei „nicht die Zeit, Respekt vor einem Kerl zu bezeugen, der uns einen großen Teil der Scheiße eingebrockt hat, erhabene Scheiße meinetwegen“. Und der deutsche Dichter Friedrich Gundolf nannte den österreichischen Literaten Karl Kraus einen „ausgezeichneten Latrinenreiniger“. Solche Wortgefechte wurden nicht nur zwischen den Autoren der Neuzeit ausgetragen. So setzten sich bereits griechische wie lateinische Poeten auf wüste, jedoch meist sehr kunstvolle Weise mit konkurrierenden Dichtern und deren Dichtung auseinander. Einem modernen Shitstorm gleich, konnten sie auf diesem Weg ihren gegenseitigen Unmut kundtun.

Im Zeitalter von Social Media sind die Menschen mit Stürmen der Beschimpfung und massenhaften Twitter-Gewittern vertraut, die regelmäßig über bestimmte Personen herziehen. Solche Verachtung für Schriftsteller, die gar zu einem veritablen Dichtungs-Shitstorm anwachsen kann, bieten nicht nur moderne Medien, sondern bereits die antike Literatur. „Catull etwa verunglimpft im ersten Jahrhundert vor Christus das Gedicht eines gewissen Volusius als cacata carta – als „beschissene Schrift“, weiß die Philologin Ursula Gärtner vom Institut für Antike. Gemeinsam mit ihren Kollegen Markus Hafner und Christopher Londa erforscht Gärtner die Schriften antiker Dichter. „Passenderweise ist uns außer dieser schwerwiegenden Kritik von Volusius selbst nichts erhalten. Ohne Catulls Beschimpfung wäre nicht einmal der Name bekannt“, führt Hafner aus. „Das Beispiel zeigt sehr gut, wie dichterische Schmähung nicht nur verurteilen, sondern durch eine für würdig empfundene Nennung sogar poetisch verewigen kann.“ So konnte die Schmähung bei aller Aggression auch einen kunstvollen Charakter haben. Graffiti mit Schmähungen sind ebenfalls keine rein moderne Erfindung. Immer wieder tauchen bei Grabungen und Freilegungen antiker Stätten – zum Beispiel in Pompeji – Kommentare neben Bildern oder Texten, die an Wände geschrieben waren, auf.

Das Netz vergisst nicht
Verglichen mit antiken Texten, die nur fragmentarisch oder gar nicht erhalten sind, vergessen digitale Systeme einen Shitstorm nicht so leicht. Ist ein Tweet einmal abgesetzt, verbreitet er sich binnen Sekunden durch das Internet und ist nicht aufzuhalten. „Das Internet als Wissensspeicher hat ein großes, nie enden wollendes Gedächtnis“, erklärt Hafner. „Die Reichweite antiker Texte und von Schmähungen ist natürlich begrenzter. Dennoch konnten schriftliche Texte sie weiter überliefern.“

Im Rahmen der Fachtagung „Cacata Carta – Poetic Shitstorms in Ancient Texts“ werden vom 15. bis zum 17. September unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Hassrede gerichtet. Dazu hat das Team 18 internationale Fachleute aus verschiedenen Disziplinen zur Tagung nach Graz geladen. 

Mehr Informationen: 
https://events.uni-graz.at/de/detail/article/cacata-carta-1/

Erstellt von Konstantin Tzivanopoulos

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