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Universität Graz Neuigkeiten Talent Talks schließen Lücke in der Berufsorientierung

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Montag, 07.09.2026

Talent Talks schließen Lücke in der Berufsorientierung

Vier beruflich gekleidete Erwachsene stehen auf grüner Treppe und zeigen auf Wandtext „Talent is only the starting point.“ vor weißer Ziegelwand. ©Foto Fischer
©Foto Fischer

AK-Präsident Josef Pesserl, AMS-stv-GF Yvonne Popper-Pieber, WK-Präsident Josef Herk und Uni-Graz-Rektor Peter Riedler. Foto: Uni Graz/Fischer

Die WKO Steiermark, die Arbeiterkammer Steiermark und AMS bündeln ihre Kräfte, wenn es um die Ausbildung von jungen Menschen geht und schaffen mit den „Talent Talks“ einen durchgängigen Weg zur Berufsorientierung. Damit wird die Vorbereitung und Nachberatung – pünktlich zum Semesterstart und dem Zehn-Jahres-Jubiläum der Einrichtung – auf ein neues Level gehoben. Wie wichtig diese Weiterentwicklung ist, das zeigt eine neue Umfrage, die das Talentcenter anlässlich des Jubiläums unter 2.687 ehemaligen Teilnehmern durchgeführt hat. Von den Jugendlichen mit schulischer Nachbereitung des Talentreports gaben 74,6 Prozent an, ihre eigenen Stärken und Talente nach dem Talentcheck gut gekannt zu haben. Ohne Nachbereitung waren es 66,5 Prozent - ein signifikanter Unterschied von 8,1 Prozentpunkten.

Mit den „Talent Talks“ schaffen WKO Steiermark, Arbeiterkammer und Arbeitsmarktservice einen durchgängigen Weg durch die Berufsorientierung. Die AK unterstützt die Vor- und Nachbereitung in der Schule, das Talentcenter der WKO macht Stärken, Interessen und Fähigkeiten sichtbar, die BerufsInfoZentren des AMS bieten persönliche Beratungen an. Damit schließen die drei Partner eine entscheidende Lücke: Jugendliche erhalten ihren Talentreport nicht nur als Ergebnis, sondern werden dabei begleitet, daraus konkrete Ausbildungs- und Berufsschritte abzuleiten. Wie wichtig diese Weiterentwicklung ist, zeigt eine Befragung ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die das Talentcenter nun zum zehnjährigen Jubiläum der Einrichtung durchgeführt hat. Insgesamt entdecken 28,1 der Jugendlichen durch den Talentreport neue Stärken, knapp die Hälfte (48,6 Prozent) lernt bisher unbekannte Berufe kennen. Der direkte Vergleich belegt, dass eine systematische Nachbereitung im Unterricht die Wirkung des Talentchecks deutlich erhöht.

„Wenn junge Menschen eine Ausbildung wählen, die ihren Stärken entspricht, profitieren alle: Die Jugendlichen gewinnen berufliche Perspektiven, die Betriebe erhalten motivierte und passend qualifizierte Fachkräfte, und die Volkswirtschaft spart Kosten durch Ausbildungsabbrüche und berufliche Umwege", sagt Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark. "Angesichts des demografischen Wandels können wir es uns nicht leisten, Talente zu übersehen. Die strukturierte Nachbereitung macht den Talentcheck noch wirksamer. Mit den Talent Talks bündeln Arbeiterkammer, AMS und WKO Steiermark ihre Kompetenzen, damit aus den Fähigkeiten junger Menschen jene Fachkräfte werden, die unsere Unternehmen und der Wirtschaftsstandort Steiermark dringend brauchen.“

Nachbereitung bringt höhere Erfolgsrate

Von den Jugendlichen mit schulischer Nachbereitung des Talentreports gaben 74,6 Prozent an, ihre eigenen Stärken und Talente nach dem Talentcheck gut oder eher gut gekannt zu haben. Ohne Nachbereitung waren es 66,5 Prozent – ein signifikanter Unterschied von 8,1 Prozentpunkten. Ein besonderer Dank gilt darum allen Lehrkräften, die Bildungs- und Berufsorientierung aktiv gestalten und mit den Ergebnissen der Jugendlichen aus dem Talentcenter-Besuch weiterarbeiten. Denn die Ergebnisse zeigen klar: Der Talentcheck schafft eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, die begleitete Arbeit mit dem Talentreport übersetzt diese Erkenntnisse jedoch wirksamer in konkrete Perspektiven. 

Zusätzlich gaben von den Jugendlichen mit schulischer Nachbereitung 35,0 Prozent an, durch den Talentreport – neben der Bestätigung bereits bekannter – ganz neue Stärken und Talente an sich entdeckt zu haben. Ohne Nachbereitung waren es 24,2 Prozent – ein Unterschied von 10,8 Prozentpunkten. Auch der Blick auf mögliche Berufsfelder erweitert sich stärker, wenn Jugendliche mit ihrem Talentreport weiterarbeiten: Mit Nachbereitung lernten 53,2 Prozent durch die Berufsvorschläge neue Berufe kennen, ohne Nachbereitung waren es 46,0 Prozent. Das entspricht einem Plus von 7,2 Prozentpunkten. 

Der Talentcheck selbst erhöht jedenfalls die Sicherheit bei der Ausbildungswahl. 75,3 Prozent der ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer würden sich erneut für dieselbe Ausbildung entscheiden, gegenüber 71,6 Prozent bei Jugendlichen ohne Talentcheck. Am Ende der vierten Klasse fühlten sich 66,7 Prozent der Jugendlichen mit Talentcheck bei der Wahl ihres weiteren Ausbildungswegs „sicher“ oder „eher sicher“. Ohne Talentcheck lag dieser Wert bei 58,5 Prozent – eine Differenz von 8,2 Prozentpunkten. Die Befragung umfasste 2.687 Personen und wurde im Zeitraum Februar bis Juli 2026 durchgeführt.

Drei Partner, ein durchgängiger Weg

Die Arbeiterkammer Steiermark stellt den Schulen in der Steiermark schon seit über 10 Jahren die Berufsorientierungsmappe „My Future“ kostenlos zur Verfügung. Lehrpersonen können damit im Unterricht unter anderem Interessen, persönliche Stärken und Ausbildungswege bearbeiten, sowie die Mappe zur Vor- und Nachbereitung des Talent Center Besuches nutzen. Des Weiteren bietet die AK Steiermark ihren Workshops „14 Jahre- was nun?“ zur Nachbereitung des Talent Reports für Schulen in Graz und Graz Umgebung an.

„Das Bildungsangebot wird immer vielfältiger, zugleich verändert sich die Arbeits- und Berufswelt tiefgreifend. Umso wichtiger sind Information, Orientierung und persönliche Beratung – hier setzen die Talent Talks von AK, WKO und AMS an", erklärt Josef Pesserl, Präsident der Arbeiterkammer Steiermark. "Die AK-Bildungsabteilung steht Jugendlichen, Eltern und Schulen seit jeher mit Rat und Tat zur Seite: mit Unterrichtsunterlagen für Lehrpersonen und Workshops wie ‚14 Jahre – was nun?‘. Die Expertinnen und Experten helfen dabei, Ergebnisse von Interessentests zu verstehen und daraus konkrete nächste Schritte abzuleiten. Die aktuellen Zahlen zeigen: Gute Vor- und Nachbereitung stärkt das Wissen über die eigenen Fähigkeiten und eröffnet neue berufliche Perspektiven.“

Hier setzt das Talentcenter der WKO Steiermark an. Jugendliche absolvieren der siebenten und achten Schulstufe anschließend eine wissenschaftlich fundierte Potenzialanalyse. An 48 Teststationen werden Interessen, kognitive Fähigkeiten, berufsrelevante Fertigkeiten, Motorik und Aufnahmefähigkeit erfasst. Daraus entsteht ein individueller Talentreport mit passenden Berufsvorschlägen die über Lehre, Schule oder Studium erreichbar sind.

Die BerufsInfoZentren des AMS Steiermark bieten darauf aufbauend steiermarkweit kostenlose individuelle Beratungen an den Schulen an – bei Bedarf gemeinsam mit den Eltern. Jugendliche können ihre Ergebnisse einordnen, Ausbildungswege vergleichen und konkrete nächste Schritte entwickeln.

“Das AMS Steiermark begleitet Jugendliche bei den ersten Schritten ins Berufsleben: Über die neuen Talent Talks in Kooperation mit dem WKO-Talentcenter und der AK unterstützen wir junge Menschen dabei, eine fundierte Bildungs- und Berufsentscheidung zu treffen”, sagt Yvonne Popper, stellvertretende AMS-Landesgeschäftsführerin. "Die Expertinnen und Experten unserer - seit einer Woche - zehn BerufsInfoZentren kommen steiermarkweit an die Schulen. Dort besprechen sie bedarfsorientiert im Zuge einer persönlichen Bildungs- und Berufsberatung mit den Schülerinnen und Schülern die Ergebnisse des Talentreports. Dieses Angebot einer kostenlosen und individuellen Bildungs- und Berufsberatung steht grundsätzlich allen Jugendlichen und Erwachsenen in der Steiermark zur Verfügung, ergänzt durch zahlreiche Online-Tools zu Ausbildung, Beruf und Karriere.“

Zehn Jahre Talentcenter: 56.154 Talentchecks

Die Präsentation der „Talent Talks“ fällt mit dem zehnjährigen Bestehen des Talentcenters zusammen. Die WKO Steiermark eröffnete die gemeinsam mit dem Institut für Psychologie der Universität Graz entwickelte Einrichtung im September 2016. Seither haben – unterstützt von der Bildungsdirektion Steiermark – 56.154 Jugendliche einen Talentcheck absolviert. 

„Seit nun mehr zehn Jahren unterstützt das Talentcenter junge Menschen bei der Wahl ihres weiteren Ausbildungs- und Karrierewegs, eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben", erläutert Peter Riedler, Rektor der Universität Graz. "Die Basis dafür legt die unermüdliche Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Graz, die mit ihrer Expertise die Grundlage für diese tolle Leistungsbilanz gelegt habe. Hier spielen Wissenschaft und angewandtes Wirtschafts-Knowhow ideal zusammen. Damit Forschung auch ihren Weg in die Wirtschaft finden kann, braucht es Zeit und vor allem Planungssicherheit. Nur wenn Wissenschaft langfristig abgesichert ist, kann man mit Stolz zehnjährige Erfolgsgeschichten erzählen.“

Heute nutzen Schulen aus allen steirischen Regionen das Angebot. 61 Prozent der steirischen Mittelschulen und AHS-Unterstufen nehmen daran teil, 87 Prozent der Schülerinnen und Schüler bewerten den Besuch mit „sehr gut“ oder „gut“. Pro Jahr absolvieren rund 6.500 Jugendliche in der Steiermark den Talentcheck – 60 Prozent davon besuchen eine Mittelschule, 40 Prozent davon eine AHS. 2019 erhielt das Talentcenter beim Kongress der International Chamber of Commerce die Auszeichnung „Best Education and Training Project“. Seit 2023 arbeitet auch das Talentcenter in Bozen nach dem steirischen Modell und erreicht jährlich weitere rund 3.500 Jugendliche. Insgesamt werden damit nach dem in der Steiermark entwickelten System jedes Jahr rund 10.000 junge Menschen getestet.

 

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