Für etwa 1700 Studierende aus Ländern des südöstlichen Europas ist die Karl-Franzens-Universität Graz die beliebteste Bildungseinrichtung. Projekte und Studien mit Hochschulen in Südosteuropa haben ebenso an der Uni Graz eine lange Tradition. Aktuelle Forschungen zum gesamtuniversitären Schwerpunkt sind in drei druckfrischen Büchern dokumentiert, die am 1. Dezember 2015 an der Universität vorgestellt wurden.
Historiker Harald Heppner und Politikwissenschafter Florian Bieber, Experten für die Region Südosteuropa, gaben erste Einblicke in die kürzlich erschienen Bände.
Die Erschließung der Karpaten, herausgegeben von Harald Heppner
„Während das Schrifttum über die Erschließung der Alpen ganze Bibliotheken füllt, trifft dies für den Karpatenraum, der flächenmäßig gleichfalls erhebliche Dimensionen abdeckt, nicht zu“, begründete Heppner. Der neue Sammelband schließt diese Lücke und wirft einen Blick auf das gesamte Terrain zwischen der Slowakei, Polen, Rumänien und der Südwestukraine. AutorInnen aus der Slowakei, Deutschland und Österreich beleuchten zum einen die Forschung in Geographie, Geologie und Botanik, zum anderen die Entwicklung des Alpinismus und des Tourismus vom 18. Jahrhundert bis zu Gegenwart.
University and Elite Formation in Central and Southeastern Europe, herausgegeben von Florian Bieber und Harald Heppner
„Universitäten haben als Stääten der Bildung von Nationalstaaten sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert eine große Rolle gespielt“, betonte Bieber. Wie der Staat bzw. die Politik darauf Einfluss nimmt, um Führungskräfte nach bestimmten Kriterien heranzuziehen, thematisiert unter anderem das Buch. AutorInnen aus Österreich und Südosteuropa beschreiben Fallbeispiele verschiedener Generationen, die offenbaren, wie schwer es war und ist, Leitfunktionen im Rahmen akademischer Berufe ohne Nähe zur staatlichen Politik ausüben zu können.
Provinz als Denk- und Lebensform. Der Donau-Karpatenraum im langen 19. Jahrhundert, herausgegeben von Harald Heppner und Mira Miladinović Zalaznik
Während Länder oder Regionen schon immer dem Gefälle zwischen Zentrum und Peripherie ausgesetzt sind, ist „Provinz“ erst mit der allmählichen Modernisierung zu einer diskutierten und auch praktizierten Denk- und Lebensform geworden. Anhand von drei Themenkreisen zeigen zahlreiche Beiträge, wie sich vom ausgehenden 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert Alt und Neu, Oben und Unten, Groß und Klein begegneten, aber auch nebeneinander bestanden. Dieser Sammelband legt seinen Schwerpunkt auf den Raum des heutigen Slowenien, enthält zudem Artikel zu Österreich, Ungarn, der Slowakei, Rumänien und zur Vojvodina (Serbien).
Mittwoch, 02.12.2015