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Universität Graz Neuigkeiten Kuhle Zeit

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Dienstag, 09.08.2022

Kuhle Zeit

Valerie Taus hat für ihre Dissertation selbst drei Monate lang auf einer obersteirischen Alm verbracht. Foto: Markus Brunner

Valerie Taus hat für ihre Dissertation selbst drei Monate lang auf einer obersteirischen Alm verbracht. Foto: Markus Brunner

Plötzlich Sennerin: Kulturanthropologin untersucht, warum Aussteigen auf der Alm so beliebt ist

Saftig grüne Almen, umgeben von Berggipfeln und Kühen, entschleunigt ohne Handyempfang, einen Sommer lang. Junge Frauen begeistern sich immer öfter für die Tätigkeit als Sennerin. Deren Motive, die Beziehung zum Tier und das veränderte Bild dieser bäuerlichen Arbeit untersucht Valerie Taus in ihrer Dissertation an der Universität Graz.

Von der Idylle der Sommerfrische müssen sich Interessierte schnell verabschieden. Die Kulturwissenschafterin weiß, wovon sie spricht. Sie hat selbst von Juni bis September auf einer Alm im Ennstal verbracht. Mit drei Milchkühen, einem Stier, Schweinen und Kaninchen. Zusätzlich zur Vieh- und Milchwirtschaft hatte sie Gäste der Hütte bewirtet. Knochenarbeit, 14 Stunden-Tage. Erfahrungen, die in ihre Doktorarbeit am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie einfließen. Dazu kommen weitere Interviews mit „Sennerinnen auf Zeit“. Denn für junge Städterinnen liegt diese Form des Aussteigens stark im Trend. „Es herrscht mehr Nachfrage als Angebot“, bestätigt Valerie Taus. Warum das so ist, das will sie beantworten. Gründe dafür gibt es viele. „Für die einen spielt das Abenteuer eine Rolle, für andere ist eine Auszeit vom Alltag. Manche wollen zurück zu den Wurzeln, weg von Kopf- hin zur körperlichen Beschäftigung, suchen das Erlebnis in und mit der Natur“, zählt Taus nur ein paar Motive auf.

Während in der Steiermark die meist unbezahlte Alm-Arbeit vorrangig von Frauen erledigt wird, ist es in den westlichen Bundesländern eine Männerdomäne. Einen weiteren Fokus legt die Jungforscherin auf das Verhältnis zwischen Tier und Mensch, auch die prägt das dreimonatige Dasein abseits vom gewohnten Trubel. Sie erinnert sich: „Zu Beginn hatte ich großen Respekt vor den Kühen, mit der Zeit ist eine Art Beziehung entstanden. Die Kühe reagieren auf Namen und fordern sehr vehement ein, wenn sie gemolken werden wollen.“

Erstellt von Andreas Schweiger

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