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Universität Graz Neuigkeiten Im Gedenken an Verfolgung: die jüdische und blinde Studentin Gisela Kaufmann

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Donnerstag, 06.11.2025

Im Gedenken an Verfolgung: die jüdische und blinde Studentin Gisela Kaufmann

Gisela Kaufmann

Gisela Kaufmann hatte im Juli 1938 promoviert, nach dem Novemberpogrom wurden Jüdinnen und Juden vollständig vom Universitätsbesuch ausgeschlossen. Foto: Familie Kaufmann

In der Nacht von 9. auf 10. November 1938 ging die Grazer Synagoge in Flammen auf. Mit dem alljährlichen Gedenken an die sogenannte Pogromnacht bleibt die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden wach. Unvergessen ist auch, dass 1938 an der Universität Graz jüdische Lehrende sowie Studierende entlassen und vertrieben wurden. Eine davon war die blinde Studentin Gisela Kaufmann. Ein Stolperstein vor dem Hauptgebäude erinnert an ihr Schicksal.

Gisela Kaufmann, 1907 in Graz geboren, war vom Wintersemester 1931/32 bis zum Sommersemester 1935 an der Philosophischen Fakultät als ordentliche Hörerin inskribiert, schreibt Marco Jandl auf der Webseite zur Geschichte der Uni Graz.

Der Zeithistoriker hat sich intensiv mit der Biographie Kaufmanns beschäftigt: „Als blinde Studentin war sie damals eine absolute Ausnahmeerscheinung im Hochschulbereich.“ Sie arbeitete mehrere Jahre lang an ihrer literaturwissenschaftlichen Dissertation zur „Anordnung der Gedichte Mörikes in der ersten Sammlung“. 
Unmittelbar vor den Tagen des „Anschlusses“ legte Kaufmann am 10. März 1938 das einstündige Rigorosum ab. Nach Vorlage der fertigen Dissertation und der Absolvierung des zweistündigen Rigorosums wurde ihr am 6. Juli 1938 die Doktorwürde verliehen, wobei die Promotion nach dem „Anschluss“ für Jüdinnen und Juden ohne Festakt erfolgte, wie Marco Jandl berichtet.

In der Promotionsurkunde wird der Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger als Promotor angeführt, der kurz darauf wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ entlassen wurde. Nachdem jüdische Studierende im Sommersemester noch zu den Abschlussprüfungen zugelassen worden waren, wurden Jüdinnen und Juden nach dem Novemberpogrom vollständig vom Universitätsbesuch ausgeschlossen.
Nach ihrer Promotion wollten Gisela Kaufmann und ihr Vater Nathan nach Kanada zu bereits ausgewanderten Familienmitgliedern fliehen. Als blinde Jüdin wurde ihr allerdings die Einreise verweigert. So kam Gisela nach Wien in das einst weltweit renommierte „Israelitische Blindeninstitut“, das die Nationalsozialisten zu einem Heim für Blinde und hochgradig Sehbehinderte, gebrechliche und beeinträchtigte Menschen umfunktioniert hatten. Dort lernte Gisela Kaufmann den blinden Juden Oskar Zeckendorf kennen. Die beiden heirateten am 7. Mai 1941. Gisela Kaufmann verstarb nur kurze Zeit später am 3. Oktober 1941 im Wiener AKH an den Folgen eines Tumors.

⇒ Über weitere wichtige Akteur:innen in der Geschichte der Uni Graz mehr erfahren 

⇒ An die Geschichte Gisela Kaufmanns wird zusammen mit dem Schicksal der taubblinden Dichterin Irene Ransburg in einer von Marco Jandl und Birgit Roth herausgegebenen Gedenkschrift erinnert, die von Graz University Library Publishing als frei zugängliche Online-Publikation veröffentlicht wurde. 

Stolpersteine vor dem Hauptgebäude ©© Helmut Lunghammer
© Helmut Lunghammer
Stolpersteine vor dem Hauptgebäude erinnern an die Verteibung jüdischer Studierender und Lehrender. Foto: Uni Graz/Lunghammer
Marco Jandl ©ALEXANDER DANNER
©ALEXANDER DANNER
Marco Jandl ist Zeithistoriker am Centrum für jüdische Studien und hat sich intensiv mit der Biographie von Gisela Kaufmann beschäftigt. Foto: Alexander Danner
Erstellt von Andreas Schweiger

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