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Universität Graz Neuigkeiten Gleichberechtigung bei Väterkarenz: "Viel Wunsch, wenig Wirklichkeit!“

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Donnerstag, 05.06.2025

Gleichberechtigung bei Väterkarenz: "Viel Wunsch, wenig Wirklichkeit!“

Kinderhände halten eine weibliche und eine männliche figur

Wer geht wann und wie lange in Karenz? Eine neue Studie zeigt: Österreich liegt europaweit im Mittelfeld. Fazit der Soziologin Anja Eder: "Der Wille ist da, die Umsetzung dauert aber noch." Foto: ProArt Studios - stock.adobe.com

Anlässlich des Vatertags am 8. Juni rückt eine aktuelle internationale Vergleichsstudie zur Familie- und Geschlechterrollen zentrale Fragen in den Fokus: Wer kümmert sich ums Kind? Wer finanziert die Familie? Und wie steht es um die tatsächliche Gleichberechtigung? Die Ergebnisse des „International Social Survey Programme“ (ISSP) zeigen: In Österreich wächst die Zustimmung zur gleichberechtigten Karenz – doch das Verhalten hinkt hinterher.

„Die Akzeptanz für eine 50:50-Karenz steigt – vor allem Jüngere und höher Gebildete, Städter:innen, Grün-Wähler:innen und weniger religiöse Menschen bevorzugen dieses Modell“, sagt Anja Eder vom Institut für Soziologie der Universität Graz. „Unsere Analysen zeigen deutlich: Entscheidend sind nicht nur diese Merkmale, sondern auch die persönlichen Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von Frauen und zum traditionellen Breadwinner-Modell.“ Die repräsentativen Bevölkerungsumfragen wurden bislang in 17 europäischen Ländern und 5 Ländern außerhalb Europas durchgeführt; in Österreich nahmen rund 1100 Personen teil, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. 

Einstellung hat sich geändert – Anzeichen für einen (sozialen) Wandel?

Während in Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden über 60 Prozent eine gleichberechtigte Aufteilung der Karenz bei vergleichbarer beruflicher Situation der Eltern befürworten, sind es in Österreich aktuell nur 41 Prozent. „Frankreich spielte historisch betrachtet eine große Rolle in der Frauenbewegung“, erklärt Petra Müller, die sich als studentische Mitarbeiterin in ihrem Masterstudium mit der Thematik beschäftigt. Hierzulande sieht eine Mehrheit (59 Prozent) die Verantwortung nach wie vor überwiegend bei den Müttern. „Dabei hat sich die Einstellung in den vergangenen zehn Jahren positiv entwickelt. 2012 waren es lediglich 21 Prozent, die ein 50:50-Modell befürworteten“, betonen die Forscherinnen.

„Was wir aber sehen“, so Eder weiter, „ist eine deutliche Kluft zwischen Einstellung und Realität: Noch immer sind in Österreich 97 Prozent der Betreuungsgeldbezieher:innen Mütter, nur drei Prozent Väter.“ Zwar entscheiden sich mehr Väter als früher für Karenz – aber meist nur für kurze Zeit und obwohl Studien auf positive Auswirkungen einer involvierten Vaterschaft hinweisen.

Auch bei der Frage, wer besser für die Kinderbetreuung geeignet ist, zeigen sich Fortschritte: 66 Prozent der Österreicher:innen halten beide Elternteile für gleich geeignet. Interessant: Frauen trauen Männern diese Rolle häufiger zu als Männer sich selbst. Und bei den 16- bis 29-Jährigen liegt dieser Wert bereits bei 80 Prozent.

Wenn es um die finanzielle Verantwortung geht, zeigt sich ein gespaltenes Bild: Während in Ländern wie Dänemark, Frankreich, Norwegen und Island mehr als 80 Prozent eine gleichwertige Aufteilung der Finanzierung einer Familie mit einem fünfjährigen Kind befürworten, sind es in Österreich nur 45 Prozent. Die Mehrheit (54 Prozent) sieht den Vater weiterhin in der Hauptverantwortung, die Familie zu ernähren oder zumindest einen größeren finanziellen Anteil zu leisten.

„Die Vorstellung vom männlichen Hauptverdiener und der weiblichen ‚Zuverdienerin‘ ist in Österreich noch tief verwurzelt. Auch wenn einige Reformen greifen, zeigt sich: Werteorientierungen, Geschlechterrollenbilder und Geschlechterstereotype ändern sich nur langsam“, betont die Soziologin. „Wir beobachten einen Wandel – aber eben keine lineare Entwicklung in Richtung Gleichberechtigung.“

Übrigens: Der Vatertag wurde in Österreich erstmals 1956 gefeiert – als symbolisches Pendant zum Muttertag. Heute bietet er Gelegenheit, gesellschaftliche Entwicklungen und Rollenvorstellungen kritisch zu reflektieren. Die Zahlen belegen: „Es ist noch viel zu tun – politisch, wirtschaftlich und kulturell.“

International Social Survey Programme (ISSP) – Österreichische Daten: https://data.aussda.at/dataset.xhtml?persistentId=doi:10.11587/RJU0KE 

Datenreport:
Eder, A., Wardana, R., Beham-Rabanser, M., & Berghammer, C. (2024). Mütter zwischen neuen Rollen und alten Zuständigkeiten. Sozialer Survey 2023 – Datenreport 3. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14546838 

Erstellt von Konstantin Tzivanopoulos

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