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Universität Graz Neuigkeiten Gegen das Tabu von Sexarbeit: Theologin Martina Bär zeigt Wege auf

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Mittwoch, 06.03.2024

Gegen das Tabu von Sexarbeit: Theologin Martina Bär zeigt Wege auf

Martina Bär ©Uni Graz/Tzivanopoulos

Martina Bär: „Kirche muss empathisch auf marginalisierte Menschen zugehen und sie in ihrer Lebenswelt abholen." Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos

Über Sexarbeit wird in der Gesellschaft geschwiegen. Noch mehr in der katholischen Kirche. Wie sich das Tabu gegenüber Prostitution brechen lässt, weiß Fundamentaltheologin Martina Bär.

„Es ist ein Projekt aus Zürich, das hierzulande Beispiel machen könnte“, schildert Martina Bär. Als die Pandemie Sexarbeiter:innen arbeitslos machte, sprang der Verein „incontro“ rund um Ordensschwester Ariane Stocklin und Pfarrer Karl Wolf in die Bresche. Gemeinsam mit Freiwilligen haben sie begonnen, Prostituierte mit Mahlzeiten, Lebensmitteln, aber auch mit Gesprächen, Beratungen und konkreter Hilfe beim Ausstieg aus dem Milieu zu unterstützen. Neben Aufenthaltsräumen und einem Café sorgt eine Kapelle für Rückzugsmöglichkeiten.

Stigmatisierte Frauen

„Diese Initiative hat auf die Lage dieser stigmatisierten Frauen aufmerksam gemacht, bei der Menschenhandel eine große Rolle spielt“, berichtet die Theologin. „Es zeigte sich, viele wollten aus dieser Situation raus.“
Menschen, die mit der Amtskirche oft nichts mehr am Hut hatten, haben in dieser Initiative die Botschaft Jesu verwirklicht gesehen und sich in diesem Projekt als freiwillige Helfer:innen engagiert. „So sollte Kirche sein", betont Bär. Mittlerweile sorgt das soziale Engagement des Vereins für enormes Echo in den Medien über die Zürcher Grenzen hinaus und trägt zur Enttabuisierung von Prostitution bei – in der Gesellschaft und in der katholischen Kirche, ist die Wissenschaftlerin überzeugt.
„Kirche muss empathisch auf marginalisierte Menschen zugehen und sie in ihrer Lebenswelt abholen“, beschreibt Martina Bär den befreiungstheologischen Ansatz, der dieser Aktivität zugrunde liegt.

Sex, Gender und Religion

Das Schweizer Projekt wird Bär gemeinsam mit Ariane und Pfarrer Wolf im Rahmen von „Religion am Donnerstag“ am 16. Mai 2024 an der Uni Graz vorstellen.
Die Vortragsreihe unter dem Titel „Sex, Gender und Religion“ widmet sich ab 14. März das ganze Sommersemester hindurch dem Fakultätsschwerpunkt Genderforschung, der heuer sein 30-Jahr-Jubiläum feiert.

► das gesamte Programm

Erstellt von Andreas Schweiger

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Wie viel Wissenschaft steckt in der Theologie, Martina Bär?

„Theologie hat einen übernatürlichen Forschungsgegenstand: Gott. Zwar kann man Gottes Existenz nicht beweisen – das Gegenteil aber auch nicht. Gott ist denkmöglich. Also lotet die Theologie die Grenzen der Vernunft aus. Darüber hinaus arbeitet sie mit zwei wichtigen Quellen: der Bibel und der christlichen Tradition. Beide haben die westliche und andere Kulturen nachhaltig geprägt. Daher hat die Theologie eine kulturwissenschaftliche Bedeutung. Die Grazer Theologie erörtert auch selbstkritisch, inwiefern das Christentum zur Diskriminierung beigetragen hat, und legt im Gegenzug dazu mit wissenschaftlichen Methoden das humanisierende Potenzial des Christentums für Mensch und Gesellschaft frei.“ Martina Bär ist Professorin für Fundamentaltheologie und Sprecherin des Gender-Forschungsschwerpunktes der Katholisch-Theologischen Fakultät

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