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Universität Graz Neuigkeiten Drama, Baby!

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Freitag, 15.04.2022

Drama, Baby!

Elizabeth Cary (1585–1639) beschrieb in einem ihrer Dramen eheliche Konflikte aus weiblicher Sicht – zur damaligen Zeit ein absolutes No-Go. Foto: CC0, commons.wikimedia.org

Elizabeth Cary (1585–1639) beschrieb in einem ihrer Dramen eheliche Konflikte aus weiblicher Sicht – zur damaligen Zeit ein absolutes No-Go. Foto: CC0, commons.wikimedia.org

In klassischen englischen Dramen fehlen meist starke Frauenfiguren. Die wenigen Ausnahmen erforscht die Anglistin Christine Schwanecke

„Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloß Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab.“ Shakespeare hat dieses bekannte Zitat im 16. Jahrhundert formuliert, die Anglistin Christine Schwanecke will seine Bedeutung heute wieder ins Bewusstsein rufen. Sie erklärt: „Dramen führen uns vor Augen, was Menschen motiviert, bewegt oder verängstigt. Sie zeigen uns auch, „dass manche Ungerechtigkeiten, die uns heute bewegen, schon früher ein Thema waren, etwa Ausländerfeindlichkeit oder patriarchale Strukturen.“ Schwanecke ist seit Oktober 2021 Professorin für Englische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Uni Graz. Wie Dramen Kultur erzählen und Kultur verändern, ist in der Forschung eines ihrer Lieblingsthemen. Nun will sie dieses um eine feministische Sichtweise erweitern.  

 „Im klassischen englischen Literaturkanon fehlen Dramen aus der Frühen Neuzeit, also aus dem 16. und 17. Jahrhundert, mit starken Frauenfiguren im Zentrum“, erzählt die Anglistin. Die wenigen Ausnahmen sind heute nur ExpertInnen bekannt. Thomas Middleton (1580–1627) etwa, ein Zeitgenosse Shakespeares, lässt die Figur der Moll in „The Roaring Girl“ offen Geschlechterrollen hinterfragen. „Sie trägt Hosen und will nicht heiraten. Ihre Umwelt nimmt ihr das denkbar übel. Das ändert sich bis zum Schluss nicht“, schildert Schwanecke, die derartige Stücke bekannter machen möchte. Auch den Werken von Elizabeth Cary (1585–1639) will die Forscherin zu mehr Popularität verhelfen. „Cary war die erste Frau, von der man weiß, dass sie ein Theaterstück auf Englisch schrieb und es veröffentlichen ließ. In einem ihrer Dramen beschreibt sie eheliche Konflikte aus weiblicher Sicht – zur damaligen Zeit ein absolutes No-Go“, erklärt Schwanecke.

Die Anglistin war während ihres Studiums in Heidelberg selbst begeisterte Hobby-Schauspielerin. Erschreckend fand sie, dass Literatur, Kunst und Kultur während der Corona-Pandemie von der Politik offensichtlich als weniger wichtig empfunden wurden und kaum Unterstützung erhielten. „Dabei brauchen wir gerade in Krisenzeiten dieses Medium, das uns zeigt, wie wir ticken, was möglich ist und wie wir unsere Zukunft besser gestalten können.“

Die Universität Graz kennt die gebürtige Deutsche seit ihrer Dissertationsphase: „Meine erste wissenschaftliche Konferenz habe ich hier besucht. Und die Arbeiten aus dem Institut für Anglistik haben mich sowieso schon während meines Studiums sehr geprägt.“ Umso mehr freut sich Schwanecke, die auch in London studierte und von der Universität Mannheim in die Steiermark kam, nun selbst an diesem Institut zu lehren und zu forschen.

Die Anglistin Christine Schwanecke erforscht Dramen des klassischen englischen Literaturkanon aus weiblicher Perspektive. Foto: Borchard, Heidelberg.
Die Anglistin Christine Schwanecke erforscht Dramen des klassischen englischen Literaturkanon aus weiblicher Perspektive. Foto: Borchard, Heidelberg.
Erstellt von Gerhild Leljak

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