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Universität Graz Neuigkeiten Der Norm entsprechen: Warum bestimmen Standards unser Leben, Elisabeth Staudegger?

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Freitag, 12.06.2026

Der Norm entsprechen: Warum bestimmen Standards unser Leben, Elisabeth Staudegger?

Eine Frau in einem grauen Blazer steht vor einem Baum mit grünem Laub ©Uni Graz/Radlinger

Der Forschungsschwerpunkt der Juristin Elisabeth Staudegger liegt auf der Frage, wie durch Recht Vertrauen in IT/KI gefördert werden kann. Beim Academic Standards Day geht es darum, Bewusstsein für die Bedeutung von Normung zu schaffen. Foto: Uni Graz/Radlinger.

Normen entscheiden, ob ein Blatt Papier in den Drucker passt oder ob ein Lade-Stecker mehrere Geräte versorgen kann. Diese Standards gestalten unseren Alltag. Wer aber bestimmt diese Normen eigentlich? Wo gibt es Schwachstellen und wie könnte die Wissenschaft dazu beitragen, sie zu verbessern? Elisabeth Staudegger, Leiterin der Abteilung „Recht und IT“ am Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen der Universität Graz, spricht anlässlich des Academic Standards Day am 16. Juni darüber, was die Wissenschaften zum Thema Normung beitragen können und verrät ihren persönlichen Lieblingsstandard.

 

Wenn wir von Normen sprechen: Worum geht es da überhaupt?

Elisabeth Staudegger: Normen legen fest, welche Voraussetzungen ein Produkt, ein Verfahren oder ein System erfüllen muss, damit es für alle nutzbar ist. Das können bestimmte Maße sein, Sicherheitsanforderungen oder Qualitätsvorgaben. Die Idee einheitlicher Standards entstand im 19. Jahrhundert, als im Zuge der Industriellen Revolution Dampfkessel unvorhergesehen explodierten und Schaden an Leib und Gut anrichteten. Aus kleineren Initiativen entstand im Lauf des 20. Jahrhunderts ein immer dichteres Normungssystem.

Mit dem Zusammenschluss europäischer Staaten wurden nationale Normungs-Organisationen zunehmend in internationale Strukturen eingebettet. Welche Rolle spielt der Gesetzgeber in dem Prozess?

Staudegger: Der Gesetzgeber legt fest, was geschützt werden muss – zum Beispiel Sicherheit, Gesundheit oder Grundrechte. Die technischen Details schreibt er aber nicht selbst vor. Dafür beauftragt in der EU die Kommission die europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC oder ETSI. Wenn daraus eine harmonisierte Norm entsteht, können Hersteller:innen und Konsument:innen davon ausgehen, dass Produkte, die diesen Normen entsprechen, auch sämtliche rechtlichen Anforderungen erfüllen.

Warum kann Normierung aus wissenschaftlicher Sicht problematisch sein?

Staudegger: Weil in den Gremien oft jene sitzen, die gegensätzliche Interessen haben. Einerseits ist die Industrie in manchen Bereichen stark überrepräsentiert. Andererseits verlagert sich ein Teil der internationalen Normung geopolitisch zunehmend nach China. Jedenfalls: Wer nicht in den technischen Komitees und Arbeitsgruppen sitzt, gestaltet die Regeln nicht mit, muss sich aber daran halten. Europa hat zwar großes wissenschaftliches Potenzial, das hier viel beizutragen hätte. Aber viel zu wenige unserer Expert:innen sind Teil dieser Gremien.

Sie richten, gemeinsam mit Katrin Fladischer und Barbara Reiter, an der Uni Graz am 16. Juni den Academic Standard Day aus. Worum geht es bei diesem Event?

Staudegger: Vor allem darum, für die Bedeutung von Normung Bewusstsein zu schaffen. Viele kennen DIN A4, ISO-Zertifizierungen oder Ö-Normen aus dem Alltag. Weniger bekannt ist aber: Wer macht diese Normen eigentlich? Wie kann man sich an deren Entstehung beteiligen? Wir brauchen nicht nur Jurist:innen, die sich hier engagieren, sondern Vertreter:innen aller Wissenschaftsdisziplinen. 

Welche Forscher:innen sind seitens der Universität Graz präsent? 

Staudegger: Wir haben Wissenschaftler:innen der Philosophie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften, Neuropsychologie sowie den Sport- und  Bewegungswissenschaften vor Ort. Auch der UNESCO-Chair in Human Rights and Human Security ist mit dabei. Von den Grazer Hochschulen erwarten wir Vertreter:innen der Medizinischen Universität, der TU, vonCampus02 und FH Joanneum. Die Tagung steht allen offen und die Öffentlichkeit, ebenfalls eingeladen, mitzudiskutieren. Es geht ja darum, mitzubestimmen wie unsere hochtechnisierte Welt künftig ausschaut.

Was kann Wissenschaft konkret zu diesem Thema beitragen?

Staudegger: Sie kann technische Machbarkeit mit gesellschaftlichen, rechtlichen und ethischen Fragen verbinden. Sie kann fragen, ob ein Standard Menschenwürde, Autonomie, Freiheit und Grundrechte respektiert oder nicht. Sie kann prüfen, welche Folgen ein technisches Design für Märkte, Arbeitswelten, Verwaltung, Kultur oder Bildung hat. Sie kann auch bestehende Normen kritisieren und bessere Vorschläge machen. Diesen Fragen werden wir am Vormittag Raum geben. Am Nachmittag lockern wir das Programm auf und teilen miteinander unter anderem auch Lieblingsstandards. Wer Lust hat, kann ein Video machen, präsentieren und mit etwas Glück einen der Preise gewinnen.

Was ist denn Ihre Lieblings-Norm?

Staudegger: Aktuell ganz klar: USB-C. Der Stecker passt überall, erleichtert dadurch meinen Alltag enorm, verringert Elektroschrott und reduziert Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, wie eine einzelne Normung Nutzer:innen entlasten und viel Positives bewirken kann. 

>> Hier gibt es mehr Informationen zum Academic Standard Day am 16. Juni 2026. Achtung, die Anmeldung dafür endet heute, am 12. Juni 2026!

>> Wer sich in das Thema aus juristischer Sicht vertiefen möchte, kann an der Universität Graz Rechtswissenschaften studieren. 

Erstellt von Gerhild Leljak

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