„Hinter dieser Auszeichnung stehen viele Jahre intensiver Arbeit und großer Disziplin. Dazu gratuliere ich Ihnen“, unterstrich Uni-Graz-Rektor Peter Riedler zu Beginn des Festakts. „Gerade in einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen braucht es Persönlichkeiten wie Sie, die Wissen mit Weitblick und Verantwortungsbewusstsein verbinden. Die heutige Sub Auspiciis Promotion unserer sechs jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist ein Signal für den starken Forschungsstandort Steiermark.“
„Eine Sub Auspiciis Promotion ist weit mehr als ein akademischer Abschluss – sie ist Ausdruck außergewöhnlicher Ausdauer, Neugier und intellektueller Leidenschaft“, betonte TU Graz-Rektor Horst Bischof. „Wer diesen Weg geht, beweist nicht nur fachliche Exzellenz, sondern auch den Mut, neue Fragen zu stellen und bestehende Grenzen zu hinterfragen. Zu dieser herausragenden Leistung gratuliere ich den sechs Grazer Absolventinnen und Absolventen herzlich.“
„Als Landeshauptmann der Steiermark gratuliere ich allen Promovendinnen und Promovenden sehr herzlich zu ihrem außergewöhnlichen Erfolg. Die Promotion sub auspiciis zählt zu den höchsten und herausragendsten Auszeichnungen einer akademischen Laufbahn und ist ein Anlass zu besonderem Stolz. Mit großer Begabung, bemerkenswertem Fleiß und bewundernswerter Ausdauer haben Sie außergewöhnliche schulische und wissenschaftliche Leistungen erbracht. Damit stehen Sie nicht nur für persönliche Exzellenz, sondern repräsentieren zugleich den Universitätsstandort Graz in vorbildlicher Weise als Ort der Bildung, der Forschung und der wissenschaftlichen Spitzenleistungen. Für Ihren weiteren beruflichen und persönlichen Lebensweg wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute, viel Erfolg sowie weiterhin Neugier, Tatkraft und Inspiration“, sagt Mario Kunasek.
Die Sub-auspiciis-Promovierten der Universität Graz
Christian Bundschuh (Dissertationsfach: Pharmazie)
Christian Bundschuh wurde in Tirol geboren. Er entdeckte seine Begeisterung für Chemie bereits in der Volksschule – ausgelöst durch einen Tag der offenen Tür am Gymnasium, der ihn so prägte, dass für ihn früh feststand, beruflich in Richtung Chemie zu gehen. Am Bundesrealgymnasium am Adolf-Pichler-Platz in Innsbruck vertiefte er dieses Interesse unter anderem in chemischen Übungen. Den Weg ins Studium fand er über eine Laufbahnberatung und entschied sich für Molekularbiologie beziehungsweise Biochemie an der Universität Graz, weil ihn das „Bindeglied“ zwischen mehreren Life-Science-Richtungen reizte. Aus dem Studium heraus wuchs auch das Interesse an der Medizin. Er absolvierte zusätzlich das Studium der Humanmedizin in Graz und Heidelberg. „Besonders motiviert mich die Weiterentwicklung virologischer Sequenzierungen – also die Möglichkeit, Methoden zu etablieren und zu optimieren, um Viren immer präziser zu charakterisieren“, so Christian Bundschuh. Heute ist er als Facharzt für Medizinische und Chemische Labordiagnostik tätig, mit Schwerpunkt virologischer und molekularer Diagnostik. Seit dem Biochemie-Master zählt auch die Massenspektrometrie zu seinen zentralen Interessensfeldern, die er aktuell durch ein weiteres Studium vertieft.
Peter Hartmann (Dissertationsfach: Chemie)
Peter Hartmann kam 1997 in Hallein (Salzburg) zur Welt. Er interessierte sich schon früh für Naturwissenschaften – geprägt durch ein naturverbundenes Aufwachsen, mit einem Vater als Geologen und seine Neugier auf das „Warum“ hinter beobachteten Phänomenen. In der Schule führte ihn dieser Zugang von der Biologie zur Chemie; entscheidend war dabei auch die Förderung durch seinen Chemielehrer sowie die intensive Teilnahme an der Österreichischen Chemieolympiade. Nach der Matura studierte er Chemie im NAWI-Graz-Programm an der TU Graz und Uni Graz und verlagerte seinen Schwerpunkt zunehmend in die theoretische Chemie. „Mich fasziniert, chemische Prozesse mit quantenchemischen Modellen so zu beschreiben, dass sie erklärbar, vorhersagbar und gezielt optimierbar werden“, so Peter Hartmann. In seiner Dissertation kombinierte er die Weiterentwicklung der Dichtefunktionaltheorie mit Anwendungen auf medizinisch und umweltrelevante Systeme. Heute forscht er als Postdoktorand an der Universität Graz in der Computerchemie, unter anderem zu nachhaltigen Materialien, effizienteren Synthesen und katalytischen Systemen. Neben der Forschung engagiert er sich in der Lehre und findet Ausgleich in Natur, Musik und Sport.
Lena Parigger (Dissertationsfach: Biochemie und Molekulare Biomedizin)
Lena Parigger, 1998 in Graz geboren, wuchs mit einer starken Wertschätzung für Bildung und Leistung auf und interessierte sich während ihrer Schulzeit für viele unterschiedliche Fachgebiete. Nach dem Bachelorstudium der Molekularbiologie an der Universität Graz absolvierte sie den Master Biotechnologie an der TU Graz, mit Schwerpunkt auf Protein- und Umweltbiotechnologie. Während der COVID-Pandemie fand sie – ausgelöst durch den Ausfall eines geplanten Laborpraktikums in Holland – ihren Weg in die Bioinformatik. „Besonders faszinierte mich daran, in welchem Ausmaß computergestützte Methoden experimentelle Forschung gezielter und effizienter machen können“, so Lena Parigger. In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit neuen innovativen Ansätzen zur Beobachtung viraler Mutationen und der Entwicklung antiviraler Medikamente. Heute arbeitet sie in der Pharmaforschung an digitalen und datenbasierten Methoden, um die Medikamentenentwicklung ressourceneffizienter und sicherer zu gestalten. Abseits ihrer Arbeit engagiert sie sich ehrenamtlich für den Naturschutz in der Steiermark und findet Ausgleich in Sport, Musik und dem Lernen von Sprachen; derzeit beschäftigt sie sich intensiv mit Japanisch – nicht zuletzt, weil Japan in der Pharmaforschung eine bedeutende Rolle spielt.
Die Sub-auspiciis-Promovierten der TU Graz
Hannah Brunner (Dissertationsfach: Technische Informatik)
Hannah Brunner, 1995 in St. Bartholomä (Graz-Umgebung) geboren, absolvierte nach der Musikhauptschule die HTL Bulme Graz-Gösting mit dem Schwerpunkt Elektronik und Telekommunikation. „Ursprünglich wollte ich bei der Musik bleiben, aber mich faszinierte das Zusammenspiel von Hardware und Software einfach. Man schreibt Code, und tatsächlich passiert dann etwas in der echten Welt. Zusätzlich wird es in der Technik nie langweilig – wenn man etwas Neues lernt, ist es meist schon wieder veraltet“, so Hannah Brunner. Nach der Matura folgte das Studium „Information and Computer Engineering“ an der TU Graz (Bachelor und Master). Sie war als Softwareentwicklerin und Studienassistentin tätig und ab 2020 als Universitätsassistentin am Institut für Technische Informatik, wo sie ihre Dissertation über die Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit des Internets der Dinge verfasste. „Mich hat im Detail ,Batteryfree Computing‘ interessiert. Dabei arbeitet man mit langlebigen Ultra-Low-Power-Komponenten und schafft es, mit möglichst wenig Energie sinnvolle Aufgaben zu erledigen.“ Seit 2023 arbeitet sie als System Engineer bei Infineon. Abseits von Elektronik und dem Internet der Dinge schlägt Hannah Brunners Herz unter anderem für Ultimate Frisbee: Von 2020 bis 2023 spielte sie im österreichischen Mixed-Nationalteam und war mehrere Jahre als Trainerin beim FSV Augärtner Ultimate Graz tätig.
Samuel Hörmann (Dissertationsfach: Elektrotechnik)
Samuel Hörmann kam 1995 in Freistadt in Oberösterreich auf die Welt. Er absolvierte die HTL Steyr im Fachbereich Mechatronik mit dem Ausbildungsschwerpunkt Präzisionstechnik mit Auszeichnung. Schon im Rahmen seines Bachelorstudiums der Physik an der TU Graz begann seine Faszination für die Photonik. „Mich begeistert die Kombination von Physik und Technik. Durch den Einsatz von Licht stellen photonische Sensoren eine besondere Herausforderung dar. Es geht um Präzision im Nanometerbereich“, sagt er. Bei seiner Masterarbeit im Fach technische Physik kam er erstmals mit seinem aktuellen Arbeitgeber ams OSRAM in Kontakt. Dies setzte sich bei seiner Dissertation mit dem Titel „Waveguide-Design für integrierte photonische Sensoren“ fort, die er im Rahmen eines gemeinsamen Projekts des Unternehmens mit der TU Graz verfasste. „Es war eine einzigartige Chance, meine Leidenschaft für High-Tech in der Entwicklung eines Biosensors anzuwenden, der die Detektion von Krankheiten revolutionieren könnte“, sagt Samuel Hörmann, dem die Begeisterung für Technik von seinem Vater und seinem Bruder vermittelt worden ist. Abseits der Sensorik ist er zudem ein begeisterter Marathonläufer und liest gerne Fantasyromane sowie Literatur zu Philosophie.
Thomas Steiner (Dissertationsfach: Thermische Energietechnik)
Thomas Steiner wurde 1995 in Klagenfurt geboren und wuchs in St. Andrä im Lavanttal auf. Nach der Matura mit Auszeichnung am Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal und dem Ausbildungsdienst beim Bundesheer studierte er Verfahrenstechnik an der TU Graz (Bachelor und Master in Mindeststudienzeit). „Ich habe mich für Verfahrenstechnik entschieden, weil mir das Studium auf der BeST-Infomesse als sehr anspruchsvoll und gleichzeitig sehr aussichtsreich nahegelegt wurde. Am Ende war auch der nette Student am Infostand der TU Graz ausschlaggebend, weil er so sehr von der Verfahrenstechnik geschwärmt hat – er selbst war aber Softwareentwicklungsstudent“, erinnert sich Thomas Steiner schmunzelnd. Seit 2020 ist er als Researcher am K1 Kompetenzzentrum BEST in Graz tätig. Seine Dissertation über die Modellierung von Chemical-Looping-Prozessen, einer klimafreundlichen Technologie zur Energie- und Wasserstofferzeugung, verfasste er am Institut für Wärmetechnik. „Das Thema ist brandaktuell und birgt ein großes Potenzial, einen Beitrag zur grünen Transformation zu leisten“, so Steiner. Er verbindet seine Studienzeit an der TU Graz mit „intensiven Lernphasen im Wechseltakt mit ausgiebigem Feiern, schönen Erinnerungen sowie innigen Freundschaften“. Neben der Technik, insbesondere den digitalen Medien, gelten seine Interessen auch dem Sport sowie aktuell den Renovierungsarbeiten am Elternhaus in Kärnten.
Promotion unter den Auspizien des Bundespräsidenten
Die Promotion sub auspiciis praesidentis rei publicae zählt zu den höchsten akademischen Auszeichnungen Österreichs. In ihrer heutigen Form unter den Auspizien des Bundespräsidenten besteht sie seit 1952; ihre historischen Wurzeln reichen in Österreich jedoch bis ins Jahr 1624/1625 zurück und stehen damit für eine mehr als 400-jährige Tradition akademischer Exzellenz.