Utopien, Dystopien, Retrotopien
Ziel der Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Germanistik ist es, die drei Konzepte Utopie, Dystopie und Retrotopie jeweils zu profilieren, ihre systematischen Zusammenhänge zu klären und ihre text-, diskurs- und medienbezogenen Realisierungsformen zu untersuchen.
Utopie, Dystopie und Retrotopie lassen sich als miteinander verschränkte Formen des Zukunfts- und Zeitdenkens beschreiben: Sie entwerfen unterschiedliche Modelle gesellschaftlicher Ordnung, die jeweils aus der Diagnose der Gegenwart hervorgehen und diese zugleich evaluieren. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht bloß Inhalte (Hoffnungen oder Ängste) abbilden, sondern als Verfahren der Imagination und Darstellung Handlungs- und Deutungsräume eröffnen: Utopie operiert primär mit dem Entwurf des Anderen, Dystopie mit der Zuspitzung des Bedrohlichen, Retrotopie mit der Verschiebung des Projektionsraums vom Morgen in ein idealisiertes Gestern.
Wie diese narrativen Strategien ästhetisch gestaltet und in literarische, aber auch andere textuelle Formen gegossen werden und welche im weiteren Sinn ideologischen Ziele damit verfolgt werden, soll im Rahmen der Tagung aus den Perspektiven der verschiedenen Fachbereiche der Germanistik diskutiert werden. Im Zentrum stehen begriffsgeschichtliche und theoriegeleitete Perspektiven, gattungspoetologische und narratologische Analysen sowie sprachwissenschaftliche und diskursanalytische Zugänge zur Semantik und Pragmatik von Zukunfts- und Vergangenheitsentwürfen.