„Man wird sich auch in Wien gewöhnen. Taugt die Frau nicht für diesen Beruf, dann wird sie schon selber daraus verschwinden.“ So beschrieb das Illustrierte Wiener Extrablatt vom 17. Mai 1927 den Umstand, dass seit Kurzem eine Frau als Taxilenkerin in der Stadt unterwegs war. Fischer (16.11.1897 – 15.5.1974) hatte sich dieses Recht erkämpft.
Denn es gab seit 1913 die Verordnung, dass nur männliche Personen über 18 in den so genannten „Platzwagendienst“ eintreten, also ein Taxi lenken, durften. „Fischer hatte den Verfassungsgerichtshof angerufen, dessen Richter am 12. Oktober 1926 entschieden, dass Felizia Fischer nicht aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden dürfe. Diese war gemäß Art. 7 B-VG verboten. Hans Kelsen, der ‚Architekt‘ der Verfassung von 1920, war damals übrigens unter den Richtern“, fasst Anita Ziegerhofer zusammen.
Die Rechtshistorikerin hat das so genannte „Platzwagenerkenntnis“, das in vielen rechtswissenschaftlichen Lehrbüchern als wegweisend für Rechtsprechung hinsichtlich Geschlechterdiskriminierung genannt wird, aufgearbeitet. Die Ergebnisse sind Basis für die interaktive Theaterperformance „Taxi Tales“ der Künstlerinnengruppe „magggi.collective“, die seit Ende Februar bis gestern, 15. März 2026, jeden Samstagabend in Wien stattfand. Sechs „Taxlerinnen“ führten die Teilnehmenden entlang der Geschichte von Felizia Fischer durch die Stadt und erzählten dabei aus ihrem Berufsalltag in einem männlich dominierten Feld.
Felizia Fischer fuhr übrigens in ihrem eigenen Wagen und nur bei Tag, denn Frauen wurde es in Österreich erst 1956 erlaubt, auch nachts ein Taxi zu lenken. Lange blieb Fischer aber nicht in dem Job, weiß Anita Ziegerhofer: „Nach ungefähr drei Jahren verließ sie die Branche und arbeitete danach als Ordinationsgehilfin.“ Lange Zeit blieb die mit viel Mut, Selbstbewusstsein und starkem Willen erarbeitete Pionierleistung von Felizia Fischer vergessen. Nun holt Anita Ziegerhofer sie aus der Vergessenheit: Für nächstes Jahr ist eine Publikation über Wiens erste Taxilenkerin geplant.