„Religiöses Fasten soll den Körper in einen besonderen Zustand versetzen, um so den Zugang zur Transzendenz zu erleichtern“, erklärt Heimerl. „Es bereitet Menschen auf eine intensive Kommunikation mit Gott vor und ist daher eine Art spiritueller Boost.“ Während andere Religionen auch halluzinogene Mittel zu diesem Zweck einsetzen, lehnen Christentum, Judentum sowie Islam das ab und setzen auf Körperpraktiken. Dabei gehe es nicht nur um das zeitlich begrenzte Auskommen ohne Nahrung. „Auch der Verzicht auf Schlaf war in der Vergangenheit ein gängiges Modell“, berichtet die Forscherin. Heute existieren zudem moderne Versionen wie Auto-Fasten oder Digital Detox. Heimerl versteht den Begriff aber nur in Verbindung mit Genussmitteln. Auf diese verzichten in der abendländischen Tradition viele im Frühling. „Das geht auf Ostern und die 40 Tage zurück, die Jesus in der Wüste verbrachte“, erklärt Heimerl. Auch der Advent war früher eine Periode der Enthaltsamkeit. „Das ist heute vergessen“, sagt die Religionswissenschaftlerin.
Bewusster Verzicht
Der Ramadan fällt nicht immer in das Frühjahr, sondern folgt einem Mondkalender. Muslim:innen essen tagsüber nichts. Im Christentum werden traditionell Fleisch und Milchprodukte weggelassen. Heimerl betont: „Religiöse Enthaltsamkeit bedeutet bewussten Verzicht, nicht ungesundes Hungern. Es geht nie darum, weniger zu essen.“ Denn auch Sich-zu-Tode-Fasten gilt als Selbstmord und ist eine Sünde im Christentum. „Manche Bewegungen propagieren gefährliche Praktiken, wie die sogenannte Lichtnahrung. Das hat nichts mit echter Spiritualität zu tun“, betont die Theologin.
Beim Fasten gehe es um eine bestimmte Erfahrung, ergänzt die Religionswissenschafterin Heimerl. „Es ist eine Jahrtausende alte Tradition und öffnet das Bewusstsein für den Kontakt mit Gott.“ Es sollte stets ein positives Erlebnis sein – für Seele und Körper.