Überall in unserem Alltag stecken sie: PFAS, die auf Pfannen, Kleidung, Kosmetika und sogar Fotopapier zu finden sind. Die besonderen Eigenschaften dieser Fluorid-Verbindungen sind zwar praktisch, kommen aber mit Nebenwirkungen. Sie haben negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und stehen im Zusammenhang mit Krebs, Fruchtbarkeitsproblemen und Leberschäden. Und es dauert besonders lange, bis sie in der Natur zerfallen, was ihnen den Spitznamen „Ewigkeitschemikalien“ eingebracht hat.
Einige dieser Wirkstoffe sind in der EU bereits verboten und über eine Auswirkung der Einschränkungen wird aktuell verhandelt. Und die Universität Graz hat gemeinsam mit dem schottischen James Hutton Institute ein interdisziplinäres wissenschaftliches Forschungsinstitut für die nachhaltige Bewirtschaftung von Land, Pflanzen und natürlichen Ressourcen) sowie der Biobank am Fauenhofer Institut und dem deutschen Umweltbundesamt gezeigt: Solche Regulierungen wirken. Das Team untersuchte dafür Gewebeproben, die zwischen den Jahren 1998 und 2022 aus der Leber von einjährigem Rotwild aus dem Nationalpark Bayerischer Wald entnommen wurden. 30 unterschiedliche PFAS-Verbindungen wurden in der Studie untersucht (Vollversion: https://doi.org/10.1016/j.envpol.2026.127685).
Werte sinken
Das Ergebnis ist eindeutig: „Die Gesamtbelastung durch diese PFAS sank um mehr als 87 Prozent – das entspricht einem Rückgang von 64 auf gerade mal 8 Nanogramm pro Gramm Lebergewebe“, erklärt die Hauptautorin der Studie, Viktoria Müller, Wissenschaftlerin am Institut für Chemie der Universität Graz und am James Hutton Institute. Der Hauptgrund dafür ist der freiwillige Verzicht der Industrieunternehmen auf die Verwendung der Verbindung PFOS, welche später weltweit verboten wurde. Das untermauert, dass eine Regulierung dieser Stoffe wirklich positive Auswirkungen in der Natur hat.
Doch die Studie zeigt auch: Es reicht nicht, einzelne Stoffe zu verbieten. Denn die Industrie weicht einfach auf andere PFAS aus. In den Proben stieg die Konzentration der Verbindungen PFNA und PFHxS im Beobachtungszeitraum stark an, sagt Müller: „Wenn einige Stoffe eingeschränkt werden, werden sie durch andere ersetzt, was dann erst recht zu einer anhaltenden Kontamination führt.“
Die Studie ist jedoch auch ein Hinweis auf eine weitere Herausforderung, wenn es um PFAS geht: Wenn diese Chemikalien ewig halten, wo sind sie dann hin? „Diese Stoffe zerfallen in andere PFAS, die zur Zeit noch nicht gemessen werden können“, erklärt Jörg Feldmann, Professor für analytische Chemie an der Universität Graz. „Was wir mit unseren Instrumenten messen können, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs“. Das zeigt auch die Konzentration aller Fluor-Verbindungen in den untersuchten Proben. Diese liegt um den Faktor 30 bis 160 höher als die gefundenen PFAS-Moleküle.
Sehr mobil
„Nur weil wir die Stoffe nicht mehr direkt nachweisen, bedeutet das nicht, dass sie weg sind“, sagt Feldmann. Dazu kommt, dass die messbaren PFAS-Gruppen sehr mobil sind. „Die Chemikalien können über Luft und Wasser transportiert werden.“ Wenn sie im Bayerischen Wald gefunden werden, kommen sie problemlos über die Donau auch bis nach Österreich. Überraschend: Bio-Schweine, die im Freien leben, haben nachweislich eine höhere PFAS-Belastung als Tiere aus klimaregulierten Ställen, weil Regen und Luft die Chemikalien direkt in die Natur transportieren.
Und das ist auch ein Problem für uns Menschen. „PFAS können die Blut-Hirn-Schranke überwinden“, erklärt Feldmann. „Es gibt aus Italien erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen PFAS-Konzentration und Alzheimer“. Feldmann möchte daher die Studien in diesem Feld intensivieren und arbeitet mit seinem Team an einem dazu passenden Forschungsantrag.
Wer erfahren will, wie selbst die kleinsten Verbindungen sich auf Umwelt und Menschen auswirken, für den ist das Bachelorstudium Chemie der richtige Startpunkt.