In fast allen Kulturen der Alten Welt existiert sie - die extremste Form kultischer Praktiken: Die rituelle Tötung von Menschen. Bildliche Darstellungen sind selten, schriftliche Berichte belegen allerdings eine Vielzahl "Opferdarbietungen". Der germanische Raum stellt jedoch eine Ausnahme dar. Charakteristisch für dieses Gebiet sind Moorleichen, menschliche Opfer, die in Sümpfen versenkt wurden.
Kreuzigen, Verbrennen, Enthaupten, Ertränken oder Zerreißen: Der morbiden Kreativität der Germanen bei Meneschenopfer kannte kaum Grenzen. Die Moorleichen sind jedoch Opfer, die fernab der nach Sensation gierenden Historiographen ihr unglückseliges Ende nahmen. Was hat es mit ihnen auf sich?
Eine im Universitätsverlag Graz erschienene Publikation setzt sich als erste und bis dato einizige umfassende wissenschaftliche Monografie mit dem Thema auseinander. Dabei wird versucht zu erklären, warum germanische Menschenopfer nicht als einheitliches Phänomen zu sehen sind, sondern als rituelle Handlung, die gewissen Strukturen unterliegt. Gleichzeitig weisen die einzelnen Vorkommnisse große Unterschiede zueinander auf.
René Schuster, "Menschenopfer und rituelle Tötung bei den Germanen aus dem europäischen Festland", Universitätsverlag Graz, 2013.