Richtiges Fasten fördert das Gleichgewicht unseres Stoffwechsels, die sogenannte Homöostase, und setzt den Prozess der Autophagie in Gang, ein zelluläres Recyclingprogramm. Tobias Eisenberg erklärt: „Defekte Bestandteile werden abgebaut. Deren Überreste dienen als Bausteine neuer funktioneller Komponenten. Das fördert die Reparatur von Zellen.“ Parallel dazu entstehen als Nebenprodukt der Fettverbrennung sogenannte Ketokörper. Sie ersetzen den Zucker als Energielieferant und fördern ihrerseits wieder die Autophagie. Diesen Effekt hat Eisenberg an sich selbst ausprobiert: „Was mich bei meiner mehrtägigen Fastenkur fasziniert hat, war das Schwinden des Hungergefühls. Nach zwei bis drei Tagen kam ein Energieschub, der sich wie ein lockerer Dauerlauf anfühlte.“
Durch den Verzicht versetzt man den Organismus in eine Ausnahmesituation. „Wir untersuchen nicht nur, wie sich durch Fasten der Energiestoffwechsel umstellt, sondern ob und wie es die Zellalterung verzögert“, sagt Eisenberg. „Studien an Modellorganismen wie Fliegen, Fadenwürmern oder Mäusen zeigen: Das kann funktionieren.“ Im vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Cluster of Excellence MetAGE untersucht der Forscher mit Kolleg:innen von den Medizinischen Universitäten Graz und Wien diese Prozesse. Und welche ist jetzt die beste Fastenmethode? Das kann auch der Molekularbiologe nicht beantworten. „Hier gibt es zu wenig gute Vergleichsstudien mit Menschen.“
Risiken
Eisenberg verweist auf die Gefahren des Nahrungsverzichts: „Ohne Kalorienzufuhr stirbt ein Mensch irgendwann. Unser Organismus ist nicht in der Lage, Energie aus Licht zu gewinnen, wir machen keine Fotosynthese.“ Der Molekularbiologe warnt ebenfalls vor extremen Varianten des Fastens. „Neben den möglichen Vorteilen gibt es auch Risiken wie Fehl- oder Unterernährung.“ Eine dauerhafte Reduktion der Kalorienaufnahme von mehr als 30 Prozent kann schädlich sein. Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sowie ältere und kranke Menschen sollten nicht oder nur mit ärztlicher Begleitung fasten. „Das Wichtigste ist, auf den eigenen Körper zu hören“, rät Eisenberg. „Was einer Person gesundheitlich guttut, kann für einen anderen Menschen schädlich sein.“