Ohne Fachwissen geht’s nicht
Der Professor für „Didactics and AI“, der seit Juni 2024 am IDea_Lab der Universität Graz tätig ist, beschäftigt sich mit der Frage, was und wie Schüler:innen in einer von KI geprägten Welt lernen können und sollen. „Alles steht und fällt mit solidem Fachwissen, das auch künftig unverzichtbar bleibt. Nur so lässt sich beurteilen, ob die KI plausible Vorschläge macht, Fehlschlüsse produziert oder vertrauenswürdige Quellen nutzt“, erklärt der Forscher. Auch zielführende „Prompts“ – also Anweisungen für Systeme wie ChatGPT, Claude & Co. – entstehen nicht zufällig: „Ein Gespür für sprachliche Nuancen und für Struktur entscheiden darüber, ob die Technologie brauchbare Ergebnisse liefert. Das wiederum sind Fähigkeiten, die die Anwender:innen zuerst selber lernen müssen.“
Fokus auf (Jung-)Lehrer:innen
Um dieses Wissen weiterzugeben, sollten sowohl aktive Lehrer:innen als auch jene in Ausbildung darin geschult werden, KI sinnvoll einzusetzen. Möglichkeiten der Weiterbildung gibt es viele, etwa den Micro-Degree “Künstliche Intelligenz und Gesellschaft“, der seit 2025 an der Uni Graz angeboten wird. Den Lehrplan hat Pfiffner gemeinsam mit Kolleg:innen erarbeitet; er selbst unterrichtet darin die bildungsrelevanten Aspekte von KI. Der Schweizer, der nach seiner Habilitation an der Universität Oldenburg dort die Lehrberechtigung für Elementar- und Schulpädagogik erhielt, bezieht zudem Fachkräfte der frühen Bildung in aktuelle Entwicklungen ein. Das von ihm mit entwickelte Kinderdiagnosetool KIDIT®, in das Elementarpädagog:innen ihre Beobachtungen laufend eintragen können, wird von Wissenschaftler:innen der Uni Graz um KI-gestützte Einsatzmöglichkeiten erweitert.
KI als Werkzeug, nicht als Denk-Ersatz
Zugleich plädiert der Pädagoge für einen behutsamen und reflektierten Umgang mit digitalen Geräten. Beim Lernen – nicht nur im Kleinkindalter, sondern auch in der Hochschuldidaktik – gehe es darum, technische Möglichkeiten zu verstehen, sie gezielt als Hilfsmittel einzusetzen und die Ergebnisse kritisch zu überprüfen. Pfiffner selbst nutzt KI auch in seiner Arbeit, etwa als Ideengeberin oder wenn kurzfristig ein ungewöhnlicher Titel gefragt ist. „Soll das Ergebnis kreativ sein, muss man besonders präzise prompten; sonst reproduziert KI lediglich Routinen“, schmunzelt Pfiffner.