Mußbacher und ihr Team konnten zeigen, dass Blutplättchen bei stoffwechselbedingten Veränderungen in der Leber gezielt angelockt und dort lokal aktiviert werden. „Dort treiben sie die Entwicklung der Krankheit voran. Sie fördern Entzündungsprozesse und stören Abläufe in den Leberzellen, die für den Lipidstoffwechsel wichtig sind. Dadurch gerät das empfindliche Gleichgewicht im Organ noch stärker aus der Balance und die Verfettung nimmt zu“, schildert die Wissenschaftlerin. Die Forscher:innen haben diesen Effekt in einem Modell untersucht, das eine isolierte Betrachtung der Leber ermöglicht und andere metabolische Faktoren ausklammert. „So konnten wir klarer erkennen, was direkt vor Ort passiert, ohne dass Begleiterscheinungen, wie etwa allgemeine Entzündungen, Übergewicht oder Diabetes, das Bild verzerren“, beschreibt Mußbacher eine Besonderheit der Studie.
Die neuen Erkenntnisse über die zwei Seiten der Blutplättchen ist insofern von großer Bedeutung, als dass mehr Klarheit über Krankheitsverläufe ein wichtiger Schritt für genauere Therapien ist. „Langfristig kann unsere Forschung dazu beitragen, Thrombozyten gezielt in ihrer schädlichen Rolle bei bestimmten Erkrankungen zu bremsen, ohne dabei ihre lebenswichtige Funktion bei der Blutgerinnung auszuschalten“, ist Mußbacher überzeugt.
Publikationsdaten:
Derler, Dube T, Ableitner E, Schrottmaier WC, Salzmann M, Kolb D, De Campos AM, Engelke H, Annerer E, Kunowska N, Schmid JA, Beck S, Nieswandt B, Assinger A, Stelzl U, Mussbacher M*. Platelets accelerate endoplasmic reticulum stress and promote hepatic steatosis. JHEP Rep. 2026 Feb 3;8(4):101767. doi: 10.1016/j.jhepr.2026.101767.