Mitrephoron B wird aus dem auf Borneo beheimateten Busch Mitrephora glabra gewonnen und hat mehrere positive Wirkungen auf die Leber, schildert Koeberle. „Zum einen greift der Wirkstoff in die Arbeit der Lipidtropfen ein. Das sind Organellen, die Energie für magere Zeiten speichern. Mitrephoron B verändert die Zusammensetzung der Fettsäuren in den Lipidtropfen und macht die Zellhaut dadurch widerstandsfähiger gegen oxidativen Stress.“ Zum anderen verlangsamt der Wirkstoff die Produktion von mehreren Botenstoffen, die Entzündungen fördern. „Gleichzeitig hilft Mitrephoron B dem Körper, selbst Substanzen zu bilden, die Inflammationen hemmen und so Zellen vor dem Tod schützen“, resümiert der Forscher.
Auch in den Fettstoffwechsel greift der Wirkstoff ein: Er senkt die Spiegel von gespeichertem Cholesterol in Immunzellen. „Das Überangebot an Lipiden ist einer der Faktoren, die häufig eine niedrig-gradige Dauerentzündung auslösen, die wiederum zu Leberzirrhose, Fettleber oder Krebs führen kann“, beschreibt der Forscher. Wird der Cholesterol-Spiegel in Immunzellen gesenkt, kann das dazu beitragen, dass Krankheiten langsamer voranschreiten.
Mitrephoron B ist also ein vielversprechender Kandidat für die Entwicklung neuer Medikamente. „Weitere Untersuchungen sind allerdings notwendig, um die Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs zu bestätigen“, betont Koeberle.
Publikationsdaten: Waltl, L., Wein, L.A., Bereuter, L., Su, F., Barta, H., Le Xuan, L., Holubek, D., Mahmoudi, Z., Puskac, K., Siller, A., Schlenke, P., Schennach, H., Pferschy-Wenzig, E.M., Schött, H., Racedo, S., Koeberle, S.C., Magauer, T., Koeberle, A. (2026) Context-dependent activities of mitrephorone link lipid redirection, anti-inflammatory action, and ferroptosis control to hepatocyte protection (2026). Theranostics. https://doi.org/10.7150/thno.127100.