Wozu verrückte Theorien studieren?
Gastvortrag am Institut für Philosophie von: Prof. Dr. Dr. h.c. Dominik Perler
Humboldt-Universität zu Berlin
Beschreibung des Vortrages:
Eine Beschäftigung mit der Philosophiegeschichte, so wird häufig argumentiert, ist wichtig, weil viele ältere Theorien die Grundlage für heutige Theorien gelegt haben und immer noch überzeu-gend sind. Doch warum sollte man Theorien studieren, die vollkommen veraltet oder gar falsch erscheinen? Wäre es nicht besser, sie einfach zu ignorieren?
Der Vortrag stellt sich dieser Herausforderung, indem er sich exemplarisch mit zwei „verrück-ten“ Theorien beschäftigt: Aristoteles’ Theorie über natürliche Sklaverei und Malebranches Theo-rie über Gott als einzige Ursache in der Welt. Es soll gezeigt werden, dass sich eine Beschäftigung mit diesen Theorien lohnt. Sie verdeutlichen nämlich die enge Verflechtung von Ideologie und Phi-losophie, machen aber auch auf grundlegende Probleme aufmerksam, die in angeblich vernünftigen Theorien kaum sichtbar werden. Ältere Theorie sind gerade dann von Bedeutung, wenn sie zu einer Reflexion über scheinbar selbstverständliche Annahmen herausfordern.