Konrad P. Liessmann über Hector Berlioz: La Damnation de Faust
Anschließend sprechen Katharina John (Chefdramaturgin) und Lorenzo Fioroni (Regisseur) über die Grazer Inszenierung.
„Wie feige und erbärmlich die Menschen doch sind!“
Von Berlioz’ ersten Entwürfen einer Faust-Musik soll Goethe selbst nicht sehr viel gehalten haben. Berlioz ließ sich dadurch nicht entmutigen und entwarf später ein Szenario, das sich auf zentrale Motive von Goethes Tragödie konzentriert, ihr aber eine gänzlich neue Richtung gibt. Berlioz komponiert, was viele genervte jugendliche Goethe-Leser diesem Faust wohl insgeheim gewünscht hatten: Fahr zur Hölle! Im Gegensatz zum deutschen Faust, der den Mythos von der Erlösbarkeit des Menschen in die Welt setzte, solange er sich strebend nur bemüht, macht der französische Komponist kurzen Prozess: Faust folgt seiner Leidenschaft für Margarethe, lässt die ins Unglück gestürzte Geliebte zurück und wird verdammt, obwohl oder weil er noch seine Seele für Margarethes Rettung verkauft. Mephisto triumphiert – wenn nicht über Margarethe, dann doch über Faust. Grund genug, über das Verhältnis von Mensch und Teufel wieder einmal nachzudenken.
Literaturhaus Graz in Kooperation mit der Oper Graz und dem Förderkreis der Oper Graz.
Hinweis: La Damnation de Faust | Oper Graz 26.9., 20 Uhr: Premiere.